Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

148

I. Zeitalter der Kirchentrennung.

Sache wenig geneigt sei, und er irrthümlich auf die Theilnahme dersüdlichen Provinzen gerechnet habe. Nach einer langen und hart-näckigen Belagerung übergab Ludwig von Nassau die Stadt Bergendem Herzoge von Alba unter sehr Vortheilhaften Bedingungen. AlleGeusen der Besatzung und die Edeln, die bei ihnen waren, durftenmit fliegenden Fahnen und brennenden Lunten abziehen, sammt ihremganzen Kriegsvorrath und dem Heerestroß.

Alba glaubte nun günstige Gelegenheit zu haben, die Empörungdurch entscheidende Schläge unterdrücken zu können, und ließ die Zeitnicht unbenützt verstreichen. Gleich nach der Uebergabe von Bergenzog sein Heer nach den holländischen Provinzen und plünderte unter-wegs Mccheln, weil dessen Einwohner Wilhelm von Oranien em-pfangen hatten. Darauf belagerte er Zütphcn, das er binnen wenigenTagen überwältigte und zur Strafe furchtbar plündern ließ. Friedrichvon Toledo, der Sohn des Herzogs, verhing unterdessen ein nochgrausameres Schicksal über die Stadt Naerden, deren Bewohner un-barmherzig ermordet wurden. Es war ein blutiger Vernichtungskriegauf beiden Seiten. Während die Spanier mit unerhörter Grausam-keit an den Einwohnern der Städte, gleichviel ob schuldig oder un-schuldig, Rache übten, thaten die Geusen dasselbe an den Katholiken,und namentlich an Priestern und Mönchen, von denen viele inLepden, Enkhuizen, Alkmaar und Gorkum umgebracht wurden. Indieser letztern Stadt nahmen sie unter dem Befehle Wilhelm Van-dermarke's neunzehn Priester und Mönche gefangen, ließen dieselbenunaussprechliche Martern erdulden und hingen sie dann während derNacht in einer Scheune auf. So sehr entsagten sie allen mensch-lichen Gefühlen, daß sie den gehangenen Geistlichen Nase und Ohrenabschnitten und diese blutigen Siegeszeichen auf den Hüten trugen.

Nach der Einnahme von Zütphen fühlte sich Herzog Alba schwachund kränklich; er befahl nun seinem Sohne, Haarlcm zu belagern,und kehrte nach Brüssel zurück, um von dort aus die Kriegsoperationenzu leiten. Jetzt erst begann der Unbeugsame einzusehen, daß er nichtdie rechten Mittel zu der Unterwerfung der Niederlande angewandthabe. Denn trotz den furchtbaren Schlägen, die er unaufhörlich denGeusen versetzte, wuchs ihre Zahl außerordentlich. Sie verfügtenbereits über eine ansehnliche Seemacht, und hatten sich in den stärkstenStädten Hollands festgesetzt. Dazu sah sich Alba allgemein gehaßt;Niemand billigte sein Betragen und er wußte, daß selbst der Königkein Vertrauen mehr zu ihm habe und auf den Gedanken gekommensei, ihn durch den Herzog von Mcdina Celi ablösen zu lassen.