162
I. Zeitalter der Kirchcntrciimmg.
befestigen. Diese Reden machten tiefen Eindruck auf Karl; seine Worteund sein Benehmen zeigten Katharinen und dem Herzog die Gefahr,in der sie schwebten, und sie beschlossen, den Admiral, ihren furcht-barsten Feind, durch Meuchelmord aus dem Wege zu schaffen. Alser am 22. August aus dem Rathe durch die Stadt nach Hause ging,ward aus einem Dachfenster eine Arquebuse auf ihn abgeschossen;die Kugel zerschmetterte ihm die Hand, eine andere blieb in derSchulter sitzen. Die Wunden waren nicht gefährlich, aber seine An-hänger strömten schaarenweisc zu seinem Hause, und erboten sich, fürihn das Leben zu lassen.
Auf die erste Nachricht von dem Vorfall brach Karl in Weh-klagen aus, worauf Drohungen von Rache folgten. Er besuchte denAdmiral, und Katharina hielt es für angemessen, ihn mit ihren beidenSöhnen und den vornehmsten Herren des Hofes zu begleiten. Siefanden den Verwundeten im Bette; er bat den König um eine geheimeUnterredung, und Karl befahl seiner Mutter und seinen Brüdern,sich zurückzuziehen. Die Königin gestand in der Folge, dieß seien diepeinlichsten Augenblicke ihres Lebens gewesen. Ihr schuldiges Gewissen,das Interesse, mit dem ihr Sohn den Admiral anhörte, die Schaarenvoll Bewaffneten, die im Hause in beständiger Bewegung waren, ihreBlicke, ihr Flüstern, ihre Gcberdeu: Alles erfüllte sie mit Entsetzen.Unfähig, es länger auszuhalten, unterbrach sie das Gespräch unterdem Vorwandc, die Gencsnng des Admirals erfordere Schweigen undRuhe. Als sie in Einem Wagen mit dem Könige zurückfuhr, bot siealle Kunst auf, ihm den Inhalt des Gespräches zu entlocken. Waser sagte, reichte hin, ihre Unruhe zu vermehren.
Nach schlaflos durchwachter Nacht brachte Katharina den Morgenin ängstlicher Berathung mit dem Herzog von Anjou und ihren Ver-trauten zu; am Nachmittage eröffneten sie Karln ihren Beschluß.Sie erinnerten ihn an die Empörungen der Hugenotten und diefurchtbare Macht des Admirals; bemerkten, daß der Mann, der zehn-tausend Bewaffnete gegen den König von Spanien anzubieten ver-möge, dieselben Truppen nach Gefallen auch gegen den König vonFrankreich verwenden könne; sagten ihm, in diesem Augenblicke beriethensich die Häupter der Hugenotten über die Vernichtung ihrer Wider-sacher, und wartete er bis zum nächsten Morgen, so würden sie seineMutter, seine Brüder, seine treuesten Diener, vielleicht ihn selbst ihrerRache opfern; und beschworen ihn, zu erlauben, daß sie der Grau-samkeit ihrer Feinde zuvor kämen, und über Coligun und dessen Freundedas Verderben brächten, welches diese ihnen zugedacht hätten. Der