Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrennung.

zu hoffen, aber schon sich seiner Neutralität zu versichern, war vonungeheurer Wichtigkeit. Er schien zu schwanken; unter seinen Unter-thanen hatte sich eine spanische Partei gebildet; wären hierzu nochspanische Truppen und spanisches Geld gekommen, so hätte ihn dießaus seiner Unthätigkeit geweckt und zum Rächer des Blutes seinerMutter gemacht. In Philipp's Rath war diese Maßregel vorge-schlagen, aber er mißtraute dem schottischen König, dessen Politikdarin bestand, keine Partei zu ergreifen, so lang sich nicht der Aus-gang des Kampfes mit Wahrscheinlichkeit voraussehen ließ.

Es gab aber in England selbst Menschen, deren zweifelhafteTreue dem Kabinet mehr Besorgniß einflößte, als das Zaudern desschottischen und die Feindschaft des spanischen Monarchen. Wiezahlreich die englischen Katholiken eigentlich seien, wußte man nicht,denn der strengen Strafgesetze wegen verhehlten Viele ihre Religion;aber man vermuthete ohne Grund, sie machten wenigstens die Hälfteder ganzen Bevölkerung aus. Bisher waren sie das Opfer schonungs-loser Verfolgung gewesen; mußte man also nicht erwarten, daß siedie Spanier als Befreier empfangen würden? Das Haupt ihrerKirche hatte der Königin alles Recht auf den Thron abgesprochen;war nicht zu vermuthen, daß sie dieß benutzen würden, um ihr deneisernen Scepter zu entreißen, mit dem sie über sie herrschte? DieserBesorgnisse voll, singen die Minister an, in dem Blutbade derBartholomäusnacht ein Nachahmungswerthes Beispiel zu sehen, undhätte es nicht die Menschlichkeit der Königin selbst verhindert, sowürden die durch Geburt und Vermögen am meisten ausgezeichnetenKatholiken dem Argwohn ihrer Widersacher geopfert worden sein.Man brachte ein erdichtetes Komplott in Vorschlag; aber Elisabethverwarf den barbarischen Rath, und da sich keine Spur böswilligerPlane entdecken ließ, weigerte sie sich, ihre Hände in unschuldigesBlut zu tauchen. Doch ward die Treue der Katholiken den schärfstenProben unterzogen. Alle, die als Rccusanten bekannt waren, wurdenin Gewahrsam genommen; der Magistrat der Hauptstadt mußte eineListe der wegen ihrer Religion verdächtigen Individuen einreichen,in mehreren, vielleicht in allen Grafschaften, wurden Haussuchungenangestellt; aller Orten wurden Katholiken beiderlei Geschlechts undjeglichen Standes schaarcnweise in's Gefängniß geschleppt und derKlerus auf der Kanzel declamirte heftig gegen die Tyrannei desPapstes und den Verrath der Papisten. Aber nichts konnte sie zueinem unklugen Schritte verleiten. Sie bezeigten nicht wenigerPatriotismus, als ihre mehr begünstigten Laudsleute.