Die Armada.
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Während dieser Zeit lernten die Spanier des Feindes Muthund Starke achten, und den Engländern gaben die errungenen Vor-theile, wie unbedeutend sie auch waren, jene Zuversicht, die so oftder Vorbote des Sieges ist. Aber das große Ereigniß, von demEnglands Schicksal abhing, die Ucberfahrt des Heeres, war nochimmer zu gewärtigen. Der Herzog von Parma hatte seine Vorbe-reitungen vollendet und mit Hülfe neu gemachter Kanäle die Trans-portschiffe nach Nieuwcnport und Dünkirchen gebracht. In dem erstendieser Häfen waren 14,000 Mann schon eingeschifft, in dem letzterenerwartete ein beinahe eben so starkes Korps nur die Befehle desFeldherrn, und man glaubte am folgenden Tage, dem zweiten nachAnkunft des Herzogs von Mcdina Sidonia, werde das große Unter-nehmen stattfinden. In dieser Nacht — sie war bewölkt und stürmisch— wurde die See durch acht Brander plötzlich erhellt, die pfeilschnellgegen die Armada Hintrieben. Ein Schrei des Entsetzens entschlüpfteden Spaniern. Sie kappten unverzüglich die Ankertane, suchten diehohe See und fügten einander im Schrecken und der Verwirrungviel mehr Schaden zu, als sie in irgendeinem der bisherigen Gefechtegelitten hatten. Die Brander liefen auf den Strand und verzehrtensich dort, ohne Schaden anzurichten; kaum wünschte sich aber derHerzog Glück, der Gefahr entronnen zu sein, als sich ein heftigerWind aus Südwcsten erhob, der Regen stürzte in Strömen herab,das Leuchten der Blitze verwirrte die Matrosen, und der anbrechendeTag fand die Armada längs der Küste von Ostcnde bis Calais zer-streut. Bald brachte eine von Grcvelingen her erschallende Kanonadedie Flotte in's Gefecht. Vierzig Segel stark hielten die Spanier denAngriff tapfer aus; am Abende trieb sie die zunehmende Heftigkeitdes Windes zwischen die Klippen und Sandbänke an der Schelde-mündung. Am andern Morgen zogen sie sich zwar heraus, hattenaber zwei Gallioncn und eine Neapolitanische Galeasse verloren.
Der spanische Admiral berieth sich mit seinen erfahrenstenOffizieren. Seine Flotte war nunmehr auf weniger denn 120 Segelgeschmolzen, die sämmtlich stark gelitten hatten; die Ucberfahrt desHeeres oder die Rückkehr durch den Kanal zu versuchen, wäre so vielgewesen, als dem Verderben in den Rachen rennen; und alle stimm-ten überein, nur ein Weg — die Umschiffung von Schottland undIrland — stehe ihnen offen, freilich ein Weg voll Schrecken undGefahr für Männer, welche die Küste nicht kannten und an diestürmischen Meere dieser großen Breite nicht gewohnt waren, deraber doch die Hoffnung gewährte, dem König noch einige Trümmer
Schöpyner, Charakterbilder. III. 11