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I. Zeitalter der Kirchentrennung-
Reformation war, die Philisterei, d. i. das ernste Wichtigthnn mitLappalien, unter welchem Namen es auch erscheine, durchaus nichtals eine würdige und angemessene Abendcrholung abgearbeiteter Hand-werker anerkennen, lind philisterhaft war dieser Meistergesang, wirmögen ihn nun von Seiten des Inhalts oder Seitens der Form be-trachten. Wir meinen vielmehr, ein Abendgebet, ja selbst eine herz-hafte Lustbarkeit nach der Tagesarbeit wäre stärkender und heilsamergewesen, als diese „holdselige" Kunst, die nothwendig bei Vielen nurein ganz nutzloses und vergebliches Streben, Autorneid, Eitelkeit undEigendünkel erwecken mußte. Jedenfalls war es ein schlimmes Zeichender Zeit, daß diese guten Leute und schlechten Poeten, die doch jedenPfuscher ihres Handwerks entrüstet aus ihren Zünften stießen, nichteinmal eine Ahnung davon hatten, daß sie selbst die ächten Bönhasender Poesie waren. Der einzige, wirkliche Dichter unter ihnen, HansSachs, soll freilich selbst eine Unzahl von Meistergesängen verfertigethaben, hütete sich aber wvhl, sie in die Sammlung seiner Poesienaufzunehmen.
Diesen poctisircuden Handwerkervereincn stehen die Sprach-gesellschasten der höheren Stände ziemlich gleichartig gegenüber.Wie bei den Meistcrsängern handelt es sich auch in diesen Gesell-schaften um die bloße Form; wie jene ihre Töne und Weisen, sohaben diese ihre künstlich verschlungenen Beiwörter und eine (wenn-gleich nicht so benannte) Tabnlatur von prosaischen Zwangsrcgelnund Schäfcrlichkeitcn. Ihr gemeinsamer und sehr zeitgemäßer Haupt-zweck war, die verwilderte deutsche Sprache zu reinigen und vomLatein, das allen Ausdruck der Gebildeten an sich gerissen, zu cmanci-piren; ihr Vorbild, die in Italien zur Veredelung der Vulgarsprachebereits seit geraumer Zeit bestehenden sogenannten Akademien. Alleindie Italiener griffen dabei auf ihr nationales, klassisches Alterthumzurück, und da unsere Sprachgesellschaften sich aus dasselbe, hier aberVolksfremde Element stützen wollten, so schlug bei ihnen Alles ineitel Philologie und Purismus um.
Den Reigen eröffnet die 1617 in Nachahmung der italienischenAkademie ckelln Lrusen gestiftete fruchtbringende Gesellschaft(auch Palmenordcn genannt), welche erst in Käthen, dann inWeimar blühte, und deren erster Vorstand der anhaltische HerzogLudwig war. Jedes Mitglied sollte dafür sorgen, daß die deutscheSprache ohne Einmischung fremder Worte in ihrem rechten Wesenerhalten werde, und empfing bei seinem Eintritt ein Symbol undBeinamen aus dem Pflanzenreich mit dazu gehöriger Devise, z. B.