Meistersänge: und Sprachgesellschaften.
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der Herzog Ludwig ein Waizenbrod und die Bezeichnung : der Nährende,nebst der Devise: „Nichts Besseres." Unstreitig hat dieser Ordenseinen Zweck noch am besten erfüllt, oder doch wenigstens einigeFrucht gebracht, und zwar nicht durch seine poetischen Leistungen,sondern dadurch, daß vorschriftsmäßig vorzüglich nur der Adel darinaufgenommen wurde, welcher damals noch die höhere Bildung rcprä-sentirte und beherrschte, und daher allerdings am geeignetsten war,die deutsche Sprache und Poesie wieder in Ansehen zu bringen.Denn während seiner 60jährigen Dauer zählte der Orden auf einenKönig, 3 Kurfürsten, 49 Herzöge, 4 Markgrafen, 10 Landgrafen,19 Fürsten, 60 Grafen, 35 Freiherren und 600 Adlige, kaum hundertBürgerliche. Doch beschränkte sich die Thätigkeit dieser Herren fastnur auf Ucbersctzungcn, und von ihren eigenen Früchten gibt eswenigstens einen schlechten Beigeschmack, wenn das steißigste und ge-feiertste Mitglied: Dietrich von dem Werder (der Vielgekronte) vor-züglich mit seinem „Sieg und Krieg Christi" allgemeine Bewunderungerregte, weil er darin durch 100 Sonette in jedem einzelnen Versedie beiden Worte „Sieg und Krieg" angebracht.
Wie weitgrcifend indeß der Impuls dieser Gesellschaft gewesen,zeigt schon der Eifer, womit sehr bald ähnliche Orden dem aristokra-tischen Beispiele folgten. So entstand in Straßburg eine aufrichtigeTannengesellschaft, ein Schwancnorden in Holstein, diedeutschgesinnte Genossenschaft in Nicdcrsachsen durch Philippvon Zesen, der so dcutschgcsinnt war, daß er mit zclotischcm Purismusdie Natur zur „Zeugemuttcr," das Theater zur „Schanburg," denVers zum „Dichtlinge," die Venus zur „Lnstinne" oder „Schau-minne," Pallas zur „Kluginne," das Fenster zum „Tageleuchtcr,"den Affect zur „Gcmüthstrift," ja sogar die Nase zum „Löschhorn"machte.
Die meiste Aehnlichkcit aber mit den Meistersängen:, mit ihrerFormseligkeit, ihrem Bibelpedantismus und der durchaus protestanti-schen Färbung, hatte der 1644 von Klai und Harrsdörfcr gleichfallsin Nürnberg gegründete Blumenorden der Pcgnitzschäfcr.Auch hier haben wir wieder die alte Kinderei des Nürnberger Spiel-zeuges, eine ganze Tabulatur von Springreimcn, Echo's, Bilderrcimen,Rückreimläufer, Neimfvlgcrungcn, Mcnglingsredcn, Lctterhäufungcnund onomatopoetischen Gedichten, die den Gesang der Vogel, sowiedie Laute der Thiere nachahmen und zeigen sollen, daß selbst dieThiere und Elemente deutsch reden. Harrsdörser schreibt eine Poetik:„Den poetischen Trichter," um den lernbegierigen Zeitgenossen in
Schöppner, Charakterbilder. IN. 13