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I. Zeitalter der Kircheiitrmnung.
sechs Stunden diese deutsche Dicht- und Reimkunst beizubringen.Auch hier hielt man sich gleich den Meistersängen: an die Bibel,suchte aber dabei, wie in der Religion das Urchristenthum, einenangeblichen Urzustand der Gesellschaft herzustellen, und die ganzeBibel in eine Schäferei umzuwandeln. Denn die goldgüldene Zeitwar: als Adam und Eva alles Vieh der Erde geweidet, die Erzväterwaren Hirten, die im kühlen Schatten der Bäume den wolkenfliegen-den Luftpsaltern und Schnabclharfen den Gesang ablauschtet:, undDavid, da er zugleich Schäfer und Poet und gekrönt war, wurde zuihrem Gesellschafter aufgenommen. Die Gemüthlichkeit dieser gold-güldnen Zeit mußte natürlich auch eine Menge poetischer Frauen-zimmer in ihren Kreis ziehen, und so gehen denn diese Pegnitzschäfervergnüglich durch von der Vogel hcllzwitschcrnden und zitschcrndenStimmten: erhallende Wiesen, bei hellquellenden Springbrunnen hin,die durch das spielende Ucbcrspiclen ihres glatt-schlüpferigen Lagerslieblich plätscherten und klatschertcn. Wie aber diesen Springbrunnen,Vögeln und Lustwandelnden nicht der Athem vergangen, ist schwerzu begreifen, wenn man bedenkt, daß z. B. Birken zum Lobe desHauses Oesterreich eine Schäferei von 400 Seiten verfaßt, und inseiner „Guclsis" die Ehre des Hauses Braunschwcig-Lüneburg nebstder Dannenbergischen Hcldcnbraut in ein Schäfergcdicht verarbeitet hat.
Alle diese Gesellschaften aber hatten, ganz abgesehen von ihrenAbgeschmacktheiten, vorzüglich dreierlei eigenthümliche Nachtheile inihrem Gefolge. Erstens hatten sie das natürliche Verhältniß vonPoesie und Sprache völlig umgekehrt, indem sie die erste lediglichzur Dienerin der letzteren machten. Sodann wurden sie durch dieSchonung und Lobhudelei der einzelnen Mitglieder untereinandereine offenbare Schule der Mittelmäßigkeit, und brachten endlich dasgemeine Sklaventhum der Adclsprotcction in die freie Dichtkunst, sodaß es das ausdrücklich ausgesprochene Ideal dieser Poeten war,„großer Herren Gunst zu erreichen."
27.
Union und Mgn.
Schon im Jahre 1572 hatten mehrere den neuen Lehren an-hängende Fürsten sich zum Schutze ihres Glaubens verbündet. DiesesBündnis; hatte in der Folge sich mehr ausgebildet und immer mehrThcilnchmer gewonnen, wie die Necessc von den Jahren 1590 bis1603 deutlich zeigen. Durch den letzteren dieser Recesse verpflichteten