Das Reichskriegswesm im 13. Jahrhundert. Ig?
tingents erhielten ihre Löhnung unregelmäßig in langen Zwischen-räumen, und wurden dadurch mißmuihig; andere bekamen, währendjene darbten, viel Geld auf einmal in die Hand und ließen sich da-durch zu Uebcrmuth und Liederlichkeit verführen. Wenn eilt Ober-befehlshaber auf Verbesserung solcher Uebelstände drang, so ward ervon den Führern der einzelnen Truppeutheile an den „Stand" oderdie „mehrcrn Stände" verwiesen, von deren Entschließung die Re-gelung dieser Verhältnisse abhing. Vereinfachende Maßregeln fürgemeinsame Verpflegung größerer Truppenmassen waren aus dem-selben Grunde beinahe niemals zu erreichen.
Wenn die Neichsarmee sich in Marsch setzen wollte, mußte deneinzelnen Ständen aufgegeben werden, zur Verpflegung ihrer Kon-tingente binnen einer bestimmten Zeit das Nöthige herbeizuschaffen.Selten traf aber dieß Nöthige zur rechten Zeit und am rechten Orteein, und so wurden die Bewegungen der Truppen vielfach gehemmtoder verzögert. Eine Geheimhaltung der militärischen Operationenwar, da so viele Leute im Voraus darum wissen mußten, ebenso un-möglich, als die Ausführung rascher Handstreiche mit so zusammen-gesetzten und organisirten Truppenkörpern. Jedes Regiment führteeinen ungeheuern Troß von Bagage mit sich, da es für die einzelnenContingentstheile besonderer Fuhrwerke, besonderer Anstalten undBedienungsmannschaften zur Verpflegung bedurfte. Jeder Stand hatteseine eigene Bäckerei, sein eigenes Hospital u. s. w. Bisweilen ließensie wohl auch das nöthige Brod auf den umliegenden Dörfern backen,wo dann der jedesmalige Bedarf von allerwärts zusammengeholtwerden mußte und nicht selten Mangel eintrat. Auch die Hospitälerwaren oft über verschiedene Orte in der Umgegend zerstreut, so daßes schwer hielt, die Wiedergeuescueu zu ihren Fahnen zurückzubringen,Viele sich auch Wohl gänzlich verzettelten. Die Offiziere führten ihreWeiber sammt allen möglichen Bequemlichkeiten mit sich, und ließensich von ihren Obern darüber nichts sagen.
Daß die Truppen der größeren Reichsländer, bei denen es inallen diesen Beziehungen ungleich besser stand, jene kleinen bunt-scheckigen Kontingente, die mau vorzugsweise mit den Namen Reichs-truppen bezeichnete, auf's Tiefste verachteten, und sie diese Verachtungauf alle Weise fühlen ließen, kaun nicht Wunder nehmen. Dafürrächten sich jene wieder durch die höhnische Schadenfreude, womit siejede Niederlage begrüßten, welche diesen widerfuhr. Daß eine solcheNiederlage zugleich die gemeinsame Waffenchre des deutschen Heeresund das gemeinsame Interesse des deutschen Vaterlandes treffe, darum