Die Philosophie in Deutschland.
437
Untersuchungen die Zwecke des Ordens noch mehr herausgestellt hatten,ein Preis aus die Ergreifung Weishaupt's wie auf die eines Ver-brechers gesetzt. Er fand aber in Gotha bei dem Herzoge ErnstAufnahme und Sicherheit, erhielt anständigen Unterhalt und ließ,während in Bayern mehrere der Genossen mit Acmtcrvcrlust undGefängniß bestraft wurden, ausführliche Verteidigungsschriften aus-gehen, in welchen seine und des Ordens Verfolgung lediglich demHasse der Priester wider die von ihm verbreitete Aufklärung zuge-schrieben wurde. Dagegen gaben die vier zuerst ausgeschiedenen Mit-glieder Erörterungen über die gefährlichen Absichten des Bundes inDruck. Die Erwartung, daß diese Schriften allgemeinen Unwillengegen die Jlluminaten erregen und die anderen deutschen Regierungenzn gleichen Maßregeln bestimmen würden, blieb jedoch unerfüllt;denn die veröffentlichten Geheimlehrcn des Ordens über Religion undStaat enthielten im Wesentlichen dasselbe, was die gelesensten Schrift-steller mit dem Bestalle der gefeiertsten Fürsten verkündigt hatten.
13 .
Me MlimM in Amtschkttd.
Der von der Kirche und dem christlichen Glauben überhaupt sichabwendende Geist der Zeit suchte seine wissenschaftliche Begründungund Berechtigung in der Philosophie, die fortan auf den Universitätender Theologie direkt entgegengesetzt wurde. Man duldete die Theologienur noch wie ein nothwendiges Uebel, des gemeinen Volks wegen,welches noch zu unreif war, um sich ganz vom Glauben losreißenzu können. Man suchte aber so viel modernes Vernunftlicht alsmöglich aus der Philosophie in die als dicke Finsterniß verschrieeneTheologie hineinbringen zu lassen.
Die deutsche Philosophie verließ die trockene mathematische FormWolf's und strebte populär zu reden, indem sie den Deismus unddie Skepsis der Engländer, die Humanitätsschwärmcrci Rousseau'sund die gleichfalls in England und Frankreich beliebt gewordene so-genannte Erfahrungsseelenlehre den Deutschen mundgerecht machte.(So Platncr, Reimarus, Mendelssohn, Zimmer mann u. A.)Man verwarf von vornherein den Offenbarungsglaubcn, die Bibel,die Demuth des Geschöpfes gegenüber dem Schöpfer, und stellte fest,es gäbe keine andere Erkenntniß, als das Forschen in der Natur undim eigenen Ich, die Seelcnlehre, die Analyse aller geistigen Vermögen.Seinen vollkommensten Ausdruck aber fand das damalige Zeitbewußtsein