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III. Zeitalter Friedrichs des Großen.
in der Philosophie des Professor Jmmanucl Kant zu Königsberg(seit 1781), die er selbst „Kritik der reinen Vernunft" nannte, undin der er dem Menschen seine eigene Vernunft bis zu dem Gradeklar machte, daß ihn: nachher mittelst dieser Vernunft wiederum dieganze Welt klar werden sollte. Alles Interesse, welches nach christ-lichem Gefühl Gott zugewendet sein soll, wurde dem menschlichen Ichzugewandt. Hingewiesen mit all' unserm Sein und Sinnen, Fürchtenund Denken auf das Objekt der Welt, sollten wir auf einmal inumgekehrter Richtung nur noch uns selbst betrachten, allein für unsselbst Sinn haben, alle Weisheit allein aus uns selbst schöpfen. Dochblieb Kant insofcrnc der deutschen Art getreu, daß er das Sittengesetz,als der menschlichen Vernunft eingeboren, in seiner ganzen Würdegelten ließ, und damit der genialen Frechheit englischer und französi-scher Sceptiker entgegentrat, die von der Sitte, wie vom Glaubenabfielen. Noch strenger hielt nach ihm Fichte, Professor in Berlin,das Sittengesetz fest, obgleich er in der einseitigen Geltendmachungdes Subjektes noch weiter ging, und die ganze Welt nur noch alsNicht-Ich neben dem Ich wie — neben gelten ließ. Für solcheSpitzfindigkeiten schwärmte die studircnde Jugend. Eine I ch trunkcuheithatte sich Aller bemächtigt, die durch ihre Bildung über das Volkhervorragten, und dieser Wahnsinn der Universitäten stach grell abvon dem erbärmlichen Zustand des deutschen Reichs und Volkes.Neben Fichte spielte der schwächliche Jacobe mit seiner Gcfühls-philosophie nur eine untergeordnete Rolle.
Am wichtigsten mußte der Einfluß der Philosophie auf die Theologieerscheinen. Sie wurde von den Kritikern, Philosophen und Dichternweggcspottct, am Ende von den aufgeklärten Fürsten selbst wegdckrctirt.Als Les sing, der scharfsinnigste und gewandteste Sprecher jener Zeit,1778 eine von Ncimarus verfaßte Schrift herausgab, worin dieAcchtheit der Bibel gcläugnet und der verworfenen Offenbarung dieallein seligmachende Vernunft entgegengesetzt wurde, zog der Ham-burger Hospastor Götze im altmodischen Zelotcntvn gegen ihn los,wurde aber von aller Welt nur noch ausgelacht, wie sehr er auchin der Hauptsache Recht haben mochte. Als derselbe Lessing imnächsten Jahre 1779 in seinem „Nathan der Weise" die christlicheReligion scheinbar auf gleiche Linie mit der jüdischen und muhameda-nischen, in der That aber unter sie stellte, und aus Aerger über dasChristenthum, oder wenigstens um alle Christen zu ärgern, eine über-schwengliche Zärtlichkeit gegen die Juden affeetirte, den Juden Nathanals Menschhcitsidcal aufstellte, und dem jüdischen Philosophen Meu-