Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Theater und Roman in Deutschland.

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und Bewunderung schwelgen konnte. Auch wurde Wohl durch dieDichter, insbesondere Schiller, manches edlere Gefühl von der Bühneherab in die Herzen der Jugend gepflanzt. Ein Zug zum Noblenging damals selbst durch so verkehrte Dichtungen, wie es Schillcr'sRäuber waren. Der Schauspieler Jfflan d machte sich ein eigenes Ge-schäft daraus, in seinen sogenannten bürgerlichen Schauspielen das Rechtdes Bürgers gegen die Chikanen der Beamten und die einfachere alteSitte und Tugend gegen die vornehmen, neuen Moden zu vertheidigen.

Aber nicht das durch Goethe und Schiller Hergestellte antike,englische und französische Trauerspiel, nicht das bürgerliche Schauspielmit seinem ehrlichen Deutschthum, riß die Menge dauernd hin.Des größten, allgemeinsten und dauerndsten Bühnener-folges erfreute sich nur August von Kotzcbuc mit seinerbald sentimental weinerlichen, bald schamlos lachendenLiederlichkeit. Von Weimar gebürtig konnte er hier unter sovielen edleren Dichtern nicht auskommen, trat in russische Dienste,schrieb aber für das deutsche Theater und fand insbesondere in Berlinzur Zeit der Lichtcnau ein Publikum, ganz wie er es und wie es ihnbrauchte. Gleich in seinem ersten Stück: „Mcnschenhaß und Reue"1789 beschönigte er den Ehebruch und führte eine Frau, die vonMann und Kindern mit einem Offiziere davon gelaufen war, unter-reichlichen Thränen empfindsamer Reue und Vergebung in die Armedes geduldigen Mannes zurück. Das Stück wurde auf allen Bühnenwiederholt, in alle Sprachen übersetzt. In dem „Verbrechen ausEhrgeiz" beschönigte hierauf Kotzebue mit eben so vieler Rührungeinen Kasscudicbstahl, in der „edlen Lüge" das Lügen. In den„Indianern in England" führte er den Berlinern das Ideal derdamals beliebten „Natürlichkeit" (in sexualer Beziehung) in der sprich-wörtlich gewordenen Gurli vor. Kurz er beutete jede Schlechtigkeit,Schwäche und Gemeinheit der Zeit aus, um durch Beschönigung der-selben den Zeitgenossen zu schmeicheln und sich ihres Beifalls zuversichern. Er hat mehr als hundert Stücke geschrieben und dasdeutsche Theater dreißig Jahre lang fast unumschränkt beherrscht.

Nicht besser war der Einfluß, den gleichzeitig die beliebtestenRomanschreibcr auf daszärtere deutsche Publikum ausübten. Allen standvoran der dicke, von fürstlichen Pensionen und Honoraren gemästeteAugust Lafontaine in Halle, der nur mit etwas mehr Anstand,doch ganz dieselbe laxe Moral empfahl, wie Kotzebue, und fast injedem seiner Romane eine Verführung der Unschuld theils reizendausmalte, theils als liebe Natürlichkeit entschuldigte. Derber und