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III. Zeitalter Friedrich's des Großen.
Wic diese Ansichten, waren auch die zu ihrer Verwirklichung vorge-schlagenen Mittel gänzlich im Sinne der Zeit. Konzilien der einzel-nen Nationen sollten die dem Papste nicht zustehenden Rechte zurück-nehmen und, falls derselbe sich diesen Veränderungen nicht füge, derKirche des Landes einstweilen ein besonderes Haupt geben. Dannsollten die Fürsten durch Hemmung des Verkehrs der Kirchen mitRom den Papst zum Nachgeben zwingen, und selbst das Werk derVerbesserung beginnen. Zwar ward das Buch von Papst Clemensvernrtheilt, auch durch Schriften kundigerer und gelehrterer Männerwiderlegt, ja die Gesammtheit der darin enthaltenen Irrthümer vondem Verfasser selbst auf Betreiben seines Erzbischofes im Jahre 1778widerrufen, doch fuhr es fort, seine Wirkungen bei Ausbildung derAnsichten zu äußern, nach welchen die Staatsmänner in Behandlungder kirchlichen Verhältnisse verfuhren. Es fehlte nicht an Schriften,welche die Hontheim'schen Lehren in Umlauf setzten und in Anwen-dung brachten. Ganz besonders fanden dieselben in Oesterreich Eingang,wo ungeachtet der kirchlichen Haltung der Maria Theresia, eine Par-tei, die ihre Hoffnungen auf Joseph setzte, den Fürsten Kaunitz ander Spitze, einer kirchcnfcindlichcn Staatskunst huldigte.
Mit Kaiser Joseph kam auf den Thron Oesterreichs eine Neuerungs-sucht, deren Grundsätze sich unter dem gemeinschaftlichen Einflüssedes in religiöse Gleichgültigkeit übergegangenen Protestantismus undder französischen Aufklärung gebildet hatten.
Nachdem Oesterreich zuvor das Bollwerk gegen das Fortschreitendes kirchlichen Abfallcs gewesen, wurde es den von demselben in dasLeben gerufenen Grundsätzen geöffnet, so daß ein zweiter Zeitraumin der Geschichte jener religiösen Umwälzung zu beginnen schien, weilman erwarten durfte, daß in den übrigen katholischen Reichen, wosich schon die Anfänge eines Kampfes gegen die Kirche gezeigt hatten,Joseph's Beispiel Nachciferung wecken werde. Wie viel Zerstörungaber Joseph auch angerichtet und wie viel er zur Erregung einesbaldigen Sturmes auf Thron und Altar, den die französischen Philo-
darnach gab Jot), v. Müller, der protestantische Historiker, eine schlagende Ant-wort: „Was ist der Papst! Man sagt, er ist nnr ein Bischof. Ebenso wicMaria Theresia nnr eine Gräfin von Habsbnrg, Ludwig XVI. ein Graf von Paris,der Held von Roßbach ein Graf von Zollcrn." In diesem Sinne ließ sich auchder gewiß unparteiische Lessing vernehmen; „es sei eine unverschämte Schmeicheleigegen die Fürsten, was Fcbronins und seine Anhänger behaupteten; denn alle ihreGründe gegen die Rechte des Papstes seien entweder keine Gründe, oder sie geltendoppelt und dreifach den Fürsten selbst."