Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Joseph's II. Reformen.

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sophen herbeiwünschten, beigetragen hat, so beschränkt sich doch dasMaß seiner Schuld durch die Erwägung der Macht, mit welcher derZeitgeist ihn in seine Dienste lockte. Mit schonen Anlagen des Herzensund des Verstandes ausgestattet, erfaßte Joseph den Herrscherbcrufmit dem Entschlüsse, für das Wohl seiner Völker zu leben. EineUnterrichtsweise, die seinen hochfahrenden Sinn, anstatt ihn zu ver-edeln, nur zurückgestoßen, hatte ihn nicht zu gründlichem Lernenkommen lassen, und ihn für immer auf ein eilfertiges und oberfläch-liches Auffassen der Dinge beschränkt. Je länger er unter der Herr-schaft seiner Mutter den Trieb der Thätigkeit hatte zügeln müssen,desto hastiger stürzte er sich nach ihrem Tode auf die Dinge, die nachseiner Meinung längst einer Umgestaltung harrten, und unerbittlichdurchgreifend, arbeitete er nun an Verwirklichung der Gedankenbilder,die ihn längst erfüllt hatten. Das blendende Vorbild des Königsvon Preußen, der bei kühnem Durchbrechen alter Schranken Erfolgefür sich hatte, weckte in ihm einen großen Thatendrang. Die Reg-samkeit und Empfänglichkeit seines Geistes ließ ihn auch unzähligeVersuche machen, unzählige Wege einschlagen. Aber der Mangelan Durchdrungen der Verhältnisse verleitete ihn zu Erstrebung einerGleichförmigkeit, die überall Verletzung zeigte. Er faßte nach damaligerAnsicht sich als den ersten Diener des Staates auf, und betrachteteals seine Aufgabe die Förderung eines sogenannten Gemeinwohls,welches nicht nach den Bedürfnissen der unter den mannigfachstenVerhältnissen im Staate lebenden Menschen, sondern nach einem ganzabstrakten Begriffe vom Staate bemessen wurde. Daher stieß erüberall mit der Wirklichkeit in einer Weise zusammen, daß er da,wo er den Hindernissen wich, seinen guten Willen mit Undank be-lohnt glaubte, und wo er sie überwand, Zerstörung hinterließ. Diefalsche Stellung, die Joseph seinem Berufe gegenüber eingenommen,machte denn auch sein ganzes Leben zu einer mühevollen Arbeit.Denn da er so viel Verkehrtes, so viel Unmögliches wollte, da seineVorstellung von Gemeinwohl ihn zum Eingreifen in solche Kreise, inwelchen freies Ermessen der Unterthanen schalten darf, zu verleitenpflegte, lebte er in beständiger Hast und Unruhe, die seine Gedankennicht reifen ließ und seine Kräfte verzehrte. Wollte er den KönigFriedrich in seiner ausgedehnten und bis in's Einzelne sich erstreckendenSelbstregierung nachahmen, so verwandelte er, dem die Erquickungender Wissenschaft und Kunst fremd waren, die Hofburg in eine großeWerkstätte für Schreiberarbeit, während bei Friedrich, obgleich seinAuge über Allem wachte, Geselligkeit und geistige Erholung Zutritt