Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Joseph's II. Reformen. 469

menhang mit auswärtigen Klöstern und den Generalobern zu Romaufgehoben.

Zur Vernichtung des päpstlichen Einflusses bildete man auf dervon Hontheim gelegten Grundlage ein Kirchenrccht aus, welchesunter dem Namen des Josephinismus überall, wo man Beein-trächtigung der Kirche wünschte, beifällig aufgenommen und in Uebunggesetzt wurde. Der ganze Verkehr der Bischöfe mit dem päpstlichenStuhle wurde gehemmt, und für die Fälle, wo er nicht unbedingtverboten wurde, einer staatlichen Aufsicht unterworfen, mittelst derenin jedem beliebigem Falle die Einwirkung des Papstes abgeschnittenwerden konnte. Die Beseitigung der kirchlichen Macht forderte auchein Abstellen und Zerbrechen der Formen, in welchen die Kirche dasVolk seine Frömmigkeit zu bethätigen und zu stärken anleitet. Nachden Grundsätzen einer in der gcsammten Verwaltung hervortretendenSparsamkeit ergingen Anordnungen, welche Feierlichkeit und Prachtdes Gottesdienstes schmälerten 0- Die Heranbildung des Klerus er-heischte, wenn sie die den herrschenden Ansichten entsprechenden Er-folge haben sollte, eine Befreiung der theologischen Lehranstalten vonbischöflicher Aufsicht. Während die Vorbereitung auf den geistlichenStand nicht im Auslande gesucht werden durfte, gründete man soge-nannte Gencralseminaricn in den Städten Wien, Pesth, Pavia undLöwen, deren Leitung man Männern von der genehm gefundenenRichtung übertrug, und um nur Priester von dem in denselben herr-schenden Geiste zu erhalten, wurde den Bischöfen zur Pflicht gemacht,nur solchen, welche die Regierung ihnen zuschicken würde, die Weihenzu ertheilen. Vorstellungen, die dem Kaiser gegen sein Verfahrenvon einzelnen Bischöfen gemacht wurden, fanden nicht die mindesteBeachtung, und schnöde abweisend antwortete er auch auf die War-nungen, die der Kurfürst Clemens Wcnceslaus von Trier, derjüngste Bruder des Kurfürsten Friedrich Christian von Sachsen, anihn richtete. Gleich erfolglos waren die Verhandlungen, welche PapstPins VI. mit ihm Pflog. Als aber im Jahre 1783 der Papst zuPersönlicher Besprechung in Wien erschienen war, mußte er zu derDemüthigung, welche er sich durch diesen Schritt selbst auferlegt

1) Nm nur Einiges anzuführen, so wurden sämmtliche Bruderschaften, 123an der Zahl, aufgehoben, dagegen eine „allgemeine Bruderschaft thätiger Nächsten-liebe" zu stiften befohlen; die öffentlichen Bittgänge wurden bis auf drei einge-stellt; im Gottesdienste wurde sogar die Zahl der Kerzen bestimmt, welche brennensollten; daher denn auch Friedrich 11. den Kaiser nur seinen Bruder Sacristan zunennen Pflegte.