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IV. Zeitalter der Revolution.
Und dennoch war Ludwig XIV. bei allem Glänze seiner Re-gierung keilt Karl der Große, kein Alfred, selbst kein Heinrich IV.Diese streuten Samen in die Furchen ihrer Zeit, dessen edle Pflanzenselbst durch barbarische Jahrhunderte nicht erstickt werden konnten,aus welchem das an Glauben, tiefer Spekulation und an großenThaten und Charakteren reiche Mittelalter des 12., 13. und 14.Jahrhunderts hervorging. Aus Ludwig'.? Saat erwuchsen der Jn-difserentismns, die Frivolität, der Unglaube, endlich die Revolution.Karl der Große und Alfred strebten dahin, durch den Geist desChristenthums ihre Völker bis in die niederste Hütte hinab zu hebenund frei zu machen, und durch ihre Werke Gott zu verherrlichen;daher die Stiftung von Klöstern und Bisthümern und der Bauprachtvoller Kirchen. Ludwig's größte Schöpfung, Versailles, warder Abglanz seiner eigenen Person. Dem Beispiele dieses Königsfolgten die Fürsten durch halb Europa. In seinem Alter wurde erbigott und intolerant, denn zur wahren Frömmigkeit fehlte es ihman Demuth, zur christlichen Toleranz an Nächstenliebe. Sehr nach-theilig auf den religiösen Geist der Franzosen wirkte auch Ludwig'sBehandlung des apostolischen Stuhles, indem er der Welt zeigenwollte, daß er nicht nur Papst in Frankreich sei, sondern daß jenerin Rom selbst nicht unabhängig vom allerchristlichsten Könige han-deln dürfe.
Ebenso unpolitisch als ungerecht war die Aufhebung des Edictsvon Nantes (1685), wodurch die Hugenotten aller seit Heinrich IV.genossenen Rechte und Freiheiten verlustig gingen. Frankreich verlordadurch eine halbe Million gewerbfleißiger Einwohner, und dieZurückbleibenden wurden in unversöhnliche Feinde verwandelt; ihrEinfluß auf die Revolution und deren Entwicklung läßt sich nicht inAbrede stellen.
Als Ludwig XIV. starb, hinterließ er das Reich seinem fünf-jährigen Enkel Ludwig XV. unter der Vormundschaft des HerzogsPhilipp von Orleans, zwar bedeutend erweitert, aber erschöpft, mit .einer ungeheuern Schuldenlast beladen, ohne fortgeschrittene innereOrganisation, das Volk verarmt und gedrückt, die hohe Geistlichkeitund der Adel an die Reize des Hoflcbens gewöhnt, aber entkleidetihrer Einfachheit und Würde.
Unter Ludwig XIV. war noch äußerer Anstand und Sitte amHofe streng beobachtet worden, unter der Regentschaft Philipp's tratdie gemeine Liederlichkeit an's Tageslicht, der Regent und seine Töchterselbst gingen mit ihrem Beispiele voran. Sein Premierminister war