Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

entschiedener Absicht auf die Zerstörung des Christenthums durch einvolles halbes Jahrhundert hinarbeitete, war Voltaire.

Nach dem Bericht seines Biographen Condorcet that er schonals Jüngling in England den Schwur, sein Leben der Vertilgungdes Christenthums zu weihen. Aber was bewog ihn, wie einen an-dern Hannibal, dieß zur Hauptaufgabe seines Lebens zu machen?Voltaire hatte unstreitig große Talente, aber auch eben so große Lei-denschaften, und unter diesen wurde er von einem unbändigen Ehr-geiz und großer Eitelkeit beherrscht. Sein Haß galt jeder positivenReligion, seine Waffen dagegen waren eine unendliche Fülle vonWitz und geistreichen Spöttereien. Es ist unglaublich, zu welchemAnsehen Voltaire es bei den Großen von ganz Europa gebracht hatte.Er scherzte mit Königen und Kaiserinnen wie mit seines Gleichen,und in der That, Voltaire wurde als Schriftsteller eine Macht, dadie ersten Monarchen Europa's, ein Friedrich der Große, eine Katharinavon Rußland, der Fürsten zweiten und dritten Ranges nicht zu gc^denken, ihm huldigten und um seinen Beifall buhlten. Um ihn sam-melten sich geistesverwandte Gelehrte, die, so verschieden ihre Studiensein mochten, in dem Kampfe gegen das Christenthum doch einigwaren. Unter ihnen erhielt D'Alembcrt den Vorzug. Schon imJahre 1741 wurde er in die Akademie der Wissenschaften, damalseine große Auszeichnung, berufen. Mit beiden vereinigte sich Diderot(geboren im Jahre 1713 zu Langrcs in der Champagne), ursprüng-lich Advokat. Er besaß die Talente Beider, wenngleich er keinen er-reichte. Seine erste Schrift: koiwoes pllilosoplliciE (1746) gegendie christliche Religion gerichtet, wurde vom Henker verbrannt undzog ihm ein Jahr Gefängniß im Thurm von Vincennes zu. Er istder Urheber des großen Werkes der Encyklopädie, die in ihrenpolitischen, historischen, philosophischen und religiösen Artikeln demtheils flachen, theils zerstörenden Geiste der Zeit huldigt, dabei aberdurch ihre correctc und ausgezeichnete Darstellung sich empfiehlt.Dieß Werk hat einen unendlichen Einfluß geübt und der Revolutiongroßen Vorschub geleistet; denn es setzte auch beschränkte Köpfe inden Stand, über Alles abzusprechen, oder, wie es damals hieß, zuphilosophircn.

Neben diesen Männern, welche direkt auf den Umsturz der Re-ligion und indirekt auf den der Monarchie hinwirkten, dürfen wirJean Jacques Rousseau (geb. 1712 zu Genf, gest. 1788) nichtvergessen, wenn er gleich unter die offenbaren Christenthumsstürmcrnicht gerechnet werden darf. Seine Schriften schadeten dem Christen-