Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

t

Der Kemgsmoed an Ludwig XVI.

483

eine diseiplinirte Armee geführt, und ohne daß sie dessen gewahrwurde. Aber die Stellung dieser Führer war nicht nur einem raschenWechsel, sondern ihre Personen meist dem Untergänge ausgesetzt.Es gehörte die Verwegenheit und Verblendung jener gährenden undwirbelnden Epoche dazu, um vor dem nahen und unvermeidlichenSturze, den so viele Beispiele wahrscheinlich machten, nicht zurückzu-beben. Es ging den meisten Demagogen in der Revolution, wie sovielen Tyrannen in der alten Welt. Sie büßten für eine kurze undunsichere Macht mit einem frühen und gewaltsamen Tode.

6 .

>er KömWMd M UMtz XVI.

Nach langem Debattiren setzte endlich die Bergpartei durch, daßNiemandem mehr eine Rede in der Angelegenheit des Königs gestattetwerde. Der Ucberdruß der rohen Masse im Cvnvent an diesenReden kam der Durchführung dieses Beschlusses zu Hülfe. Nun alsofolgte, nachdem einige vorläufige Geschäfte beseitigt, und die Punkte,über welche man abstimmen wollte, bis zum 15. Januar festgestelltwaren, an diesem Tage das Abstimmen selbst. Drei Fragen wurdenvorgelegt: 1) Ist Louis Capet schuldig des Verrathes gegen die Frei-heit des französischen Volkes? 2) Soll die Abstimmung des Convcntesseinen Prozeß abschließen, oder bedarf der Beschluß des Conventesnoch einer Bestätigung durch die Urvcrsammlungen? 3) Wenn derKönig schuldig ist, was für eine Strafe soll er erhalten? — Meh-rere Stunden hatte die Debatte gedauert, war öfter zu furchtbaremTumulte angewachsen, bis man zur Festsetzung dieser drei Fragengekommen war.

Die Entscheidung hinsichtlich der ersten Frage erfolgte sehr rasch,denn die Girondc hatte unkluger Weise die festeste Basis der Verthei-digung des Königs, die Behauptung seiner Unschuld, bereits früheraufgegeben. Nur ganz einzelne Stimmen wagten es also noch, sichfür die Unschuld des Königs zu erklären; oder vielmehr, sie wagtenauch das nicht, sondern erklärten, sie wollten über diese Frage nichtmitstimmcn. Auch die zweite Frage ward verhältnißmäßig schnell,noch am 15. Januar abgethan, indem nur etwa ein Drittthcil derAnwesenden verlangte, das Urtheil des Convcntes müsse durch dasUrtheil der Urversammlungen bestätigt oder verworfen werden. DieAnzahl der Anwesenden war aber überhaupt sehr verdünnt, dennwenn auch von der Bergpartei alle, und auch die entschiedenen Anhänger

31 *