Der Königsmord an Ludwig XVI.
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wenn die Reihe noch lange nicht an ihnen war, oder wenn sie schon anihnen gewesen war, gingen um eine Stunde zu schlafen, um einen Bissenzu essen. Zweimal wechselten Tag und Nacht mit einander, währendemDeputirter nach dem andern zur Tribüne emporstieg, und hier in HellerBeleuchtung, wenn nicht des Tages, doch des Kerzenlichtes, von allens gesehen, seine Sentenz gab, um dann wieder in der schattigeren tieferenMasse der Bänke unterzutauchen. Da Hort man bald den Tod verlangen,bald Verbannung, bald nur Einspcrrung bis zum Frieden. DieEntscheidung scheint lange ungewiß, und unruhiger wird der wüthendePöbel vor dem Gebäude, dessen Haufe nicht abläßt, und wenn ertheilweisc schmilzt, auch theilweise wieder sich ergänzt und immerbrüllt und droht. Dieß Gebrüll des Pöbels wirkte einschüchterndsogar auf manche der ausgezeichneteren Glieder der Girondepartei.Vergniaud z. B. stimmte für den Tod. Bürger Egalitü war zwar,als er, nach der Wiedereinsetzung des Königs im Jahre 1791 zumAdmiral ernannt, seinen Frieden mit dem Hose hatte machen wollen,von den Hofleuten entsetzlich behandelt, auf die Zehen getreten, ge-schuppt, bespuckt, — kurz! auf den Tod beleidigt worden; man wußte^ es, daß er entsetzlich, wenn auch nicht ohne es verdient zu haben,mißhandelt worden war, — aber als er jetzt, er ein Prinz von Frank-reich, sein Votum gab für den Tod des Königs, war doch der Ein-druck ein solcher, daß sogar die Leute vom Berge sein Benehmeninfam fanden und ihn nur noch mehr deßhalb verachteten, als sieseither gethan hatten. — Nobespierre erklärte sich nach längererRede für den Tod. Sieyss im Gegensatz stimmte: In inort saus püru86.
' Und während so die Akteurs in dieser Tragödie einer nach dem anderndie Tribüne bestiegen, ging es auf den Gallerien her, wie im Theater.Geputzte Damen kamen und gingen. Deputirte verließen ihre Plätzeund begaben sich, wie gewöhnlich, zu den Damen, mit ihnen Convcr-sation zu machen. Auch die Strickerinnen des Jacvbinerclubs warenda und jauchzten Beifall, wenn einer für die Hinrichtung stimmte,und gemeineres Volk, was auf den Gallerien ab- und zulief, trankWein und Branntwein wie in offener Tabagie. Freilich nach undnach sah, als die Abstimmung die Nacht und wieder einen Abendgedauert hatte, das Ganze aus wie ein Spiclsaal, wo die Bank dieNacht hindurch gehalten worden ist, und am Morgen die Spielermit grauen, überwachten Gesichtern dasitzen. Von den Gliedern desConvents schliefen Viele auf ihren Plätzen ein und mußten von denHussiers geweckt werden, wenn sie stimmen sollten. Endlich war dieAbstimmung beendigt. Das tiefste Stillschweigen trat ein, und