Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

Vergniaud, der eben Präsident war, rief laut und vernehmlich: „Icherkläre im Namen des Nationalconventes, daß derselbe über LouisCapct die Strafe der Hinrichtung verhängt hat."

Die Majorität, welche sich für die Hinrichtung erklärt hatte,bestand aus 53, von denen aber noch 26 abzuziehen sind, welchezwar für den Tod, aber für die Aufschiebung der Hinrichtung biszum Frieden und dann für Begnadigung gestimmt hatten, und dieHinrichtung nur dann exekutirt wissen wollten, wenn das Vordringender auswärtigen Feinde dazu zwänge. Rechnet man diese, wie manwohl muß, ab, und auf die andere Seite, so bestand die ganzeMajorität für die sofortige Hinrichtung aus einer einzigen Stimme.

Kaum war diese Sentenz bekannt gemacht, als des Königs dreiRechisanwältc auftraten und Protestation einlegten, Aufschub ver-langten und Appellation an die Urversammluugen. Die Appellationward abgeschlagen als eine schon abgemachte Sache; über Aufschubsollte weiter abgestimmt, zunächst aber mußte die Sitzung geschlossenwerden — alle waren zu aufgerieben und todtmüde. Aber als derPöbel hörte, daß ein neuer Aufschub, daß ein neues Votireu beliebtworden sei, ward er haltlos wüthend, und der ganze Dienstag gingin höchster Aufregung hin. Man dcbattirte an diesem Tag langeüber die richtige Stimmcnzählung am Abend zuvor. Es ergab sichaber, daß sie genau gewesen war.

Am Sonnabend den 49. früh begann das vierte Votiren: solldie Hinrichtung aufgeschoben werden oder nicht? — Es ging dabeiwieder fast so langsam zu als früher. Vergniaud hatte nun denMuth, sich entschieden für Aufschub zu erklären (wie er denn dieseClansel auch bei der Hauptabstimmung ausgesprochen hatte). E g alitöwollte keinen Aufschub, der nächste nach ihm votirte Aufschub, geradeweil Egalitä sich dagegen erklärt habe; so laut sprach sich nun dieVerachtung aus. Sonntag den 20. früh 3 Uhr war auch diese Ab-stimmung geendigt, und viele, die früher nicht für den Tod gestimmthatten, hatten solche Angst inzwischen vor dem wüthenden Pöbel be-kommen, daß sie jetzt für die Hinrichtung ohne Aufschub gestimmthatten. Das Resultat war also: Hinrichtung innerhalb der nächsten24 Stunden nach der Publikation des Urtheils.

Der Justizininister Garat, welcher den Auftrag erhielt, denKönig mit der Sentenz bekannt zu machen, schauderte vor der Com-mission, aber er tonnte sie nicht ablehnen. Sie hatte am Sonntagden 20. Nachmittag um 2 Uhr statt. Der König bat um einenBeichtvater und um drei Tage, sich zum Tode vorzubereiten. Der