Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Civilconsütution und Priestermord.

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verfallen war," sagt Guizot, „hat die Geschichte zwei Antworten:sie hat mit einem heroischen Muthe und einer heroischen Aufopferungein unerhörtes Mißgeschick getragen, und sobald sich der Boden etwasbefestigt, hat sie sich aus ihren Trümmern wieder erhoben und inwenigen Jahren dem christlichen Frankreich einen Klerus gegeben,der seiner ganzen Achtung würdig ist. Eine Kirche, welche in einemVierteljahrhundert so viele fromme Blutzeugen dem Schaffet, und soviele heilige Priester dem Altare geliefert hat, war sicher nicht einemUebel ohne Heilung anheimgefallen, oder in einen wirklichen Verfallgerathen."

Die blutige Verfolgung des Klerus nahm ihren Anfang baldnach dem Erlaß der sogenannten Civilconstitution. Nachdemnämlich die Nationalversammlung zuerst eine Reihe von Beschlüssenzur Beraubung der Kirche gefaßt hatte (für 200 Millionen Kirchcn-gütcr sollten verkauft werden), ging man daran, auch die Verfassungdieser Kirche nach den Ideen der Freiheitsmänner umzuwandeln. DieKloster wurden abgeschafft, die 136 Bisthümer auf 83 reduzirt, Bi-schöfe und Pfarrer sollten auf den Wahlversammlungen der Depar-tements (wo auch Calvinisten und Juden mitstimmten) gewählt, vomPapste nicht mehr bestätigt werden. Der Bischof sollte in seinenAmtsverrichtungen an die Zustimmung der nächsten Pfarrer gebundensein, Domkapitel, Abteien, Bcnesizien sollten aufhören. Man nanntedas die bürgerliche oder Civileonstitution des Klerus. Dieses Mach-werk sollten alle Geistlichen bei Verlust ihres Amtes beschwören.Man begann mit den Priestern, welche in der Nationalversammlungsaßen. Auf den 4. Januar 1791 war die Eidesablegung angesetzt.Schreiender Pöbel hatte den Saal umringt; schon hörte man dasGesinde! rufen: „An die Laterne mit denen, welche den Eid ver-weigern," da begann unter entsetzlichem Lärmen der Namensaufrufder Geistlichen. Zuerst sollte de Bonnac, Bischof von Agen, schwören.Er wollte reden, man schrie: „Keine Worte mehr, wollt ihr schwörenoder nicht?" „Ich verschmerze gerne Stellen und Einkünfte," riefder Bischof, „schwören kann ich nicht, ihr selbst würdet mich ver-achten, wenn ich es thäte!" In gleicher Weise protestirten viele Bi-schöfe und Priester. Unter 300 Geistlichen gab es 70—80, welcheschwuren, unter allen Bischöfen Frankreichs nur vier. Unter demGcsammtklerus sollen über 60,000 den Eid verweigert haben. Mannannte diese Geistlichen pretrs« nonsnrös oder rökrnctÄires, dieSchwörenden asLMuontlls oder suios. Alle guten Katholiken in Frank-reich mieden die geistliche Gemeinschaft der „geschworenen" Priester,