Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Andreas Hofer und die Helden in Tirol.

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am Himmclfahrtstage früh verlassen, um zur Kirche zu gehen. Amfolgenden Tage wollte Chasteler das Versäumte einbringen und hieltden an Zahl weit überlegenen Bayern im untern Jnnthal bei Wörglin einer ganz offenen Gegend Stand, nachdem er die besten Ge-birgspositioncn zu vertheidigen versäumt hatte. Seine Leute schlugensich brav, erlagen aber der Uebcrmacht, und verloren alle Kanonen.Als er aber auf der Flucht einen Augenblick in Hall ausruhte, machteihm das Volk nur zu gerechte Vorwürfe. Die Bayern aber rücktendem Fliehenden im weit offenen Thale nach und nahmen mit Brandund Mord wegen Kinkel's Gefangennehmung furchtbare Rache. Fastalle Häuser wurden in Asche gelegt, eine Menge Bauern an denBäumen aufgehängt, andern die Hände auf den Kopf genagelt, manchenFrauen der Leib aufgehauen, Kinder niedergemetzelt. Da Chastelerüber den Brenner floh, gab auch das Volk das offene und schwerzu vertheidigende Innsbruck auf, welches am 19. Mai capitnlirte.

An demselben Tag erließ Hofer einen offenen Brief, worin eralles Tiroler Volk in die Waffen rief, „weil die Truppen retirirten."

Dem Aufruf Hofer's folgten die Bauern von allen Seiten, undso griff er allein die Feinde an, um sie wieder aus der Hauptstadthinauszuwerfen. Dabei kam ihm zu Statten, daß Napoleon nachdem Unglück bei Aspern eiligst den Herzog von Danzig mit demgrößten Theil der Bayern abrufen mußte und nur eine bayerischeDivision unter General Dcroy in Innsbruck ließ. Gegen diesenbrach nun, wie früher gegen Kinkel, der allgemeine Landsturm los.Damals trat unter den Führern zum erstenmal der Kapuziner Has-pinger, der s. g. Rothbart, mit ungcmeiner Kühnheit hervor.Deroy hatte, um nicht wie Kinkel überfallen zu werden, den BergJsel besetzt, von welchem Innsbruck beherrscht wird, und seine Sol-daten, die eben erst bei Abcnsbcrg über die Oesterrcicher gesiegt hatten,waren voll Muth. Der erste unentschiedene Angriff erfolgte am25. Mai. Die Tiroler waren noch nicht stark genug, sie erwartetendie Obcrinnthalcr. Am 29. rückten diese heran und nun begann einfurchtbarer Kampf am Berg Jsel, der den Bayern nach einerSchätzung 8000, nach einer andern nur 1100 Mann kostete undDeroy zwang, sich unter dem Schutz der Nacht so leise als möglichzurückzuziehen. Erst um vier Uhr Morgens bemerkten es die Bauern unddrangen in Innsbruck ein, er hatte aber schon einen Vorsprung undentkam glücklich durch's untere Jnnthal, dessen Männer alle zum BergJsel gezogen waren. — An dem nämlichen 29. Mai eroberten an-dere Schaaren des Tiroler Landvolks unter Joseph Marbachcr den

Schöppner, Charakterbilder. III.