Band 
Erster Theil.
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der Treue besonders gegen den Gefolgsherrn findet sichjene rhm von Gott eingepflanzte angeborene Vorempfäng-lichkeit für das Evangelium, die jetzt in einem so spre-chenden Denkmal aus dem geistigen Leben unsers Vol-kes beobachtet werden kann. Die langersehnte, srüher nurm Bruchstücken vorhandene, erst in neuerer Zeit ver-öffentlichte altsächsische Evangelienharmonie, der Holt and,eröffnet uns einen Blick in die Auffassung des Christen-thums vom wahrhaft nationalen Standpunkte und läßtdie angegebene Fidelität der Vasallen zu dem Gefolgsherrnauf die anziehendste Art als übertragen auf die Stellungder Gläubigen zu Christo beobachten. * Unverkennbarspricht sich hier das tiefste Volksbewußtsein selbst überdie Art aus, wie von ihm das Evangelium erfaßt ist;hier kann die germanische Empfänglichkeit für den eigent-lichen Kern der christlichen Predigt nach einem wahrhaftvolksthümlichen Zeugniß beobachtet werden. Der sächsischeVolksstamm, dem dieses religiöse Heldengedicht angehört,bieret zwar wegen seiner gewaltsamen Bekehrung gewißmanches Abweichende in der Ausnahme des Christenthumsdar; wenn aber selbst einem so mir Blut gedüngten Boden,dicht nach Karls des Großen Siegen, eine solcheBlüthe volksthümlicher Poesie entsprießen konnte, so wirdes unzweifelhaft allein der unverwüstliche Volkscharakterselbst sein, der dazu die Kraft verlieh. Denn welche Auf-fassung von Christo liegt hier vor? Die dem Volk alleinverständliche eines mächtigen Gefolgsherrn, dem die Sei-nen mir Vasallenireue ergeben sind. Der germanische Cha-rakter kennt kein anderes geistiges Band, das den Niederen

* Hsliand, oder die angelsächsische Evangelienharmonie, heraus-gegeben von Tchmeller. München 1830.