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sich entwickelte), ging beiden (dem Morgen- und demAbendlande) darüber der eigentliche Kern des Evangeliumsin seiner Bedeutung als Heilsanstalt verloren. In denSturz des Römerreiches durch die Barbaren, in die ge-waltigen Zuckungen, womit dieser Abschluß der altenWelt begleitet war, wird man sich nicht leichter und freu-diger finden können, als durch die Gewißheit, daß dieRömerwelt des ihr anvertrauten Schatzes des Evangeliumsnicht mehr werth war, daß aber als würdiger Erbe eineNation auftrat, die in frischer unverdorbener Jugendkraftfür die eigentliche Heilsbotschaft im Christenthum eine soviel größere Empfänglichkeit bewies.« *
Der gründliche und grundgelehrte Forscher, ProfessorSepp in München, sagt in seinem ausgezeichneten Werke:»Das Heidenthum und dessen Bedeutung für das Chri-stenthum«: »Sowie das Evangelium außer Palästina ver-kündet wird, gewahren wir sogleich, daß das ganze Hei-denthum eine Anlage zum Christenthum hat,und eine Vorschule dazu bildet«. Diese so langeverläugnete Wahrheit gilt, wie der ganze vorhergehendeAbschnitt in ununterbrochener Folge und unwidersprechlichnachweist, namentlich und vorzugsweise von dem germani-schen Heidenthum. Aber nun waren die deutschen Völkerin dieser Vorschule der Wahrheit so weit herangereift,daß sie in die Schule der Wahrheit, in die Schule desChristenthums eingeführt werden konnten. Und, wenn sichauch dessen nicht bewußt, vom Geiste der Wahrheit, vomGeiste Gottes getrieben, drängten sie sich unaufhaltsamnach den Pforten dieser Schulen. Die vom Süden und Süd-osten des Germanenlandes ausgegangene Fluth der gothi-
^ Ebend. S. 246 und 247.