Band 
Erster Theil.
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Chlotar I. der jüngste Bruder (der zuletzt noch Alteüberlebte und erbte, so daß das Frankenreich auf kurzeZeit wieder unter einen Szepter kam (338—561), dieLänder von Amiens rechts bis zur Maas, das KönigreichSoissons". *

§ 93. Vollendung der Unterwerfung der Burgunder.

Die drei Söhne Chlotilden's, die sich in Neustriengetheilt hatten, dachten alsbald an die Erwerbung Bur-gund's; denn einerseits betrachteten sie es als ihr recht-mäßiges Erbe, andererseits glaubten sie sich wegen Ermor-dung ihres mütterlichen Großvaters zur Blutrache an demnoch lebenden und regierenden Brudermörder Gundobaldverpflichtet. Dieser starb im Jahre der Gnade 516. SeinSohn Sigismund, der mit seinem Regierungsantritteden wahren Glauben wieder einsetzte, vermählte sich miteiner Tochter seines mächtigen Schirmherrn, des großenTheodorich, des Ostgothenkönigs. Sie gebar ihm einenSohn Si grich, starb aber kurze Zeit darnach. Der könig-liche Wittwer heirathete eine ihrer Dienerinnen. Diese wußtesich nicht reckt in ihre hohe Würde zu finden und wurdedeßhalb eines Tages von ihrem noch unverständigen Stief-söhnchen verhöhnt. Darüber ergrimmt, ruhte sie nicht, bisder verblendete Vater denselben auf einen falschen Verdacht,den sie ihm beizubringen gewußt hatte, hinrichten ließ.Nach der unseligen That kam der Betrogene zur Erkennt-niß und zog sich in das von ihm gegründete Kloster St.Maurice zurück, seine Schuld in Bußthränen zu wa-schen. Theodorich, sein Schwiegervater, wandte seinAngesicht von ihm, und die Neustrier glaubten dieStunde gekommen zur Ausführung ihres Planes. Sie

* Ebend. S. 303 ff.