XLVI
Durch diese, wenn auch erst nachträgliche, Zuziehung zurBerathung aller öffentlichen Angelegenheiten des Tagesfesselte er die Herzen des Volkes am meisten, erweckte da-durch eine Theilnahme in denselben nicht nur am Staate,sondern noch mehr an ihm selbst, in welchem sich derStaat Persönlichkeit gab, und diese Theilnahme begleiteteihn sofort auf allen seinen Feldzügen und erkundigte sichangelegentlichst nach allen Verhältnissen, die er da oderdort antreffen würde. Und so wurde denn unter Anderemnamentlich auch wieder die Frage über den Charakter dergermanischen Völkerschaften und ihres Heimatlandes be-sprochen und der längst Vergessene Reisebericht des kühnenSeefahrers Pytheas wieder an's Licht gezogen. Die nächsteVeranlassung dazu gab eine Nachricht, die man im Jahre59 vor Christo, demselben, in welchem Cäsar zum erstenMale das Consuiat bekleidete, in der jungen Senatszei-rung las, daß der Suevensürst Ariovistus von demSenate mit dem Königstitel beehrt worden sei. »Was ist'smit diesem Suevenfürflen?« fragte man sich. »Wer sind dieSueven?« — »Eine teutonische Völkerschaft«, antworteteEiner der mehr wußte als die Andern, und der cimbrischeSchreck schlug in Aller Glieder. Von Stunde an beschäf-tigte sich die öffentliche Aufmerksamkeit hauptsächlich mitden Germanen, und die größten Geister machten diesesVolk und ihre Wohnsitze zum Gegenstände der Forschung;aber noch ein Jahrhundert lang fuhren sie, wie die Volks-sprache sich ausdrückt, mit der Stange im Nebel herum.Cäsar fand es genügend, den Rand des germanischenBodens zu betreten und die römischen Waffen vor denAugen des »Barbarenvolkes« blitzen zu lassen, und beidem kräftigsten Willen gelang es den Römern nie, fürlängere Zeit festen Fuß im Herzen Deutschlands zu fassen.