Sigbcrt's eine sehr freundliche Aufnahme fand und sichdann nach Poitiers begab, wo die heilige Radegunde ihndauernd fesselte. Fortunatus trat in den geistlichen Standund wurde der vertraute Rathgeber und Freund Rade-gunde'ns und ihrer Pflegetochter Agnes. Er zeichnete siebdurch jene weltliche Schulbildung des Alterthums aus, diemir dem Verfall des römischen Reichs im Abendlanderbrem Untergänge schnell entgegenging, und rascher nochrn den Provinzen als in Italien selbst. Fortunatus besaßeine leichte Auffassungsgabe und hatte sich die Regeln derSprachlehre, Redekunst und Verskunst, wie sie damals inden Schulen gelehrt wurden, ohne Mühe angeeigner, esgelang ihm, worauf man besondern Werth legte, nach demMuster der Alten schnell eine Anzahl lesbarer Verse hin-zuwerfen und in der ungebundenen Rede einen Sryl zuerkünsteln, der, je geschraubter er war, um so mehr denAnforderungen der Zeitgenossen entsprach. Noch im fünftenJahrhundert waren die Schulen der Grammatik und Rede-kunst in Gallien in großer Blüthe und weithin berübmtgewesen, eine Reihe namhafter Schriftsteller war aus ihnenhervorgegangen. Sie verfielen aber alsdann mit reißenderSchnelligkeit, die gekünstelte, stark gefärbte Ausdrucksweiseder gallischen Schule wurde immer mehr zum hohlen,leeren Schwulst und die schöpferische Kraft zur Hervor-bringung selbststandiger Geisteserzeugniffe versiegte gänzlichNur hieraus ist es erklärlich, daß Fortunatus mit seinemmäßigen Talent ein fast unglaubliches Aussehen in Gal-lien machte. An den Höfen der Könige war er ein gerngesehener Gast, die vornehmen Franken und Römer be-mühten sich, ihm durch Gastfreundschaft den Aufenthaltauf ihren Gütern angenehm zu machen, besonders abersuchten die Bischöfe seine Freundsämst zu gewinnen, um
Schliessen