Band 
Zweiter Theil.
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kommen sind, die vielfache Kunde, die ihnen über Christen-thum, dessen Lehre und Kult oder Gottesdienst und überdas christliche Leben zu Theil ward, sollte in der großenPädagogik oder Erziehungsschule der Vorsehung wohl nichtsAnderes sein, als das Mittel, dieses germanische Natur-volk für das Christenthum empfänglich zu machen. SeitJahrhunderten im väterlichen Kultus eingewurzelt, die vonden Voreltern als heiliges Erbtheil überkommene Religionmit frommkindlichem Sinne verehrend, waren sicher dieAlamannen gar nicht im Stande, sogleich und plötzlichzum christlichen Lichte sich hinzuwenden. Die Fragen, dieein solches Naturvolk beantwortet wünscht, die Aufschlüsse,nach denen es sich sehnt, sind so wenig bedeutend undzahlreich, daß eine gemüthliche Religion, wie die der altenGermanen, sie leichtlich zu geben im Stande ist. Deßhalbfühlten wohl die alten Alamannen kein Bedürfniß in sich,in einer andern Religion das zu suchen, was andere Völ-ker so mächtig zum Christenthume hinzog — die Lösungder bangen Zweifel und Fragen, auf die keine Weisheitder Weisesten antworten konnte.

»Diese Beruhigung, welche die Alamannen jener Zeitin ihrer väterlichen Religion fanden, verbunden mit derniedern Stufe ihrer geistigen Bildung hinderte sie/ denunvergleichlichen Werth des Christenthums einzusehen, dieVorzüge desselben zu begreifen und Sehnsucht nach demchristlichen Lichte zu gewinnen. So mußte nothwendig dasChristenthum den Alamannen, als sie zum erstenmale mitdemselben bekannt wurden, als etwas Fremdes erscheinen,zu welchem kein Bedürfniß sie hinzog. Deßhalb konnteauch die Christianifirung Alamanniens nicht mit einemSchlage geschehen, deßhalb war auch hier kein Platz füreinen christlichen Missionär, bis der Weg angebahnt war,