Band 
Zweiter Theil.
JPEG-Download
 

139

Alter zuzusprechen. Und da thut sie denn wohl am Besten,wenn sie diese ganze Lückenhaftigkeit in Eine Sedisvacanzoder Stuhlerledigung zusammendrängt und etwa die fünfersten Namen in die Römerzeit hinüberrückt, und dannvon der Zerstörung Argentoratum's im Anfange des fünf-ten Jahrhunderts an bis zur vollendeten Einbürgerungdes Frankenthums um die Mitte des sechsten Jahrhun-ders den Stuhl leer stehen läßt. Für diesen Fall müßtesie den ersten Bischof Amandus in die Mitte des vier-ten Jahrhunderts setzen. Die fünf ersten sind lauter rö-mische Namen, mit dem sechsten beginnen die fränkischenund gewinnen, obwohl schon der siebente wieder ein römi-scher ist, in Kurzem die ausschließliche Herrschaft.

Allein wichtiger als die Namen sind die Thaten derBischöfe, und unter diesen sind für unsern Gegenstand,die Pflanzung des Christenthums aus alamannischen Bo-den, von besonderer Bedeutung ihre Stiftungen. Diesebestehen nun hauptsächlich in Schulen. Die Kirchen undKlöster verdanken ihren Ursprung mehr den weltlichen alsden geistlichen Großen, namentlich dem Herzogsgeschlechtedes Elsaßes. Das weltberühmte Straßburger Mün-ster will man auf Chlodwig zurückführen, allein unterihm lag Argentoratum noch völlig im Schutt, undStraßburg war noch nicht einmal im Werden begriffen.Doch mag schon um die Mitte des sechsten Jahrhundertseine Kirche, wenn auch nur eine hölzerne, sich an demPlatze erhoben haben, auf dem das heutige Münster steht.Bon dem letztem aber, von dem heutigen Münster, ragtkein Stein auch nur in die karolingische Zeit hinaus. Derletzte Karolinger in Frankreich, Ludwig der Faule,starb 987, und erst 1015 legte Bischof Werner den Grund-stein zu einem neuen Münsterbau. Der alte war 1002