Band 
Zweiter Theil.
JPEG-Download
 

142

Odilia, ursprünglich selbst Ethico genannt. Zuerst Abtdes Klosters Münster im Gregorienthal, früher Confluensgenannt, weil es am Zusammenflüsse zweier Bächelag, aus dem die Fecht, ein Nebenfluß der Jll entsteht,wurde er von Pirmin bei dessen Vertreibung aus Rei-chenau auf den Abtstuhl des letztgenannten Klosters beru-fen (727), theilte aber schon nach fünf Jahren, währendsein Beschützer, Karl Martel, im Kampfe mit den Sara-zenen begriffen war, das Schicksal seines Vorgängers,wurde zwar nach dessen Rückkehr wieder eingesetzt, ver-tauschte aber schon 734 die ihm so sehr erschwerte Abts-würde von Reichenau mit dem ihm angebotenen Bischofs-stuhle von Straßburg, den er, einer der würdigsten undthätigsten Bischöfe des Frankenreiches, nicht weniger als41 Jahre lang zierte. Erchenbald setzt ihm in seinem mehr-' erwähnten Nekrologe die schöne Grabschrift:

»?rwkuN kine populo laerUis vivLcibiis tiedliu,

(Nunmehr waltete Heddo mit reich lebendigem Wirken).«

Heddo machte sich nicht nur um die Klöster an sich,sondern hauptsächlich auch um deren Bevölkerung und da-durch um das Volk überhaupt und dessen Bildnerin undErzieherin, die Geistlichkeit, verdient. Ein Freund des hei-ligen Chrodegang von Metz, der dem Elsaß so naheliegenden Hauptstadt Austrasiens, führte er dessen segens-reiche Reformen sogleich in seinem ganzen Sprengel ein.Namentlich vereinigte er die Geistlichkeit seiner Hauptkirchezu einem gemeinschaftlichen Leben in Christo und erhobschon zu seinen Lebzeiten das Straßburger Kapitel zu einerMusteranstalt für das ganze Frankenreich. Mit dieser An-stalt, die ihren Sitz im sogenannten Bruderhof, dem heu-tigen Seminar, hatte, und deren Mitglieder die Stifts-herrn oder Kanoniker (von dem Kanon oder der Regel,