163
Cöln gegen das Ende des achten Jahrhunderts zur Metro-politanstadt erhoben und die betreffenden Bischofsstühlenebst vielen andern ihnen unterstellt. Aber im Anfangedes fünften Jahrhunderls war dieß noch nicht der Fall;du verstehst nicht was du liesest, du weißt nicht zu unter-scheiden, doch schäme dich dessen nicht, es ist schon Leutenso gegangen, die sich zu Geschichtschreibern oder gar Ge-schichtmachern berufen glaubten. Laß dich belehren. Lletro-polis heißt bei den alten Römern die Mutter- oder Haupt-stadt einer Provinz, die Provinzialhauptstadt ohne alleBeziehung auf eine kirchliche Organisation; erst im Laufeder Zeit erhielt es für die Kirche die Bedeutung Metro-pole oder Metropolitanstadt. Eben die Mutter- oder Haupt-städte der Provinzen waren es, auf welche die Apostel undihre Gesandten zuerst ihr Augenmerk richteten, um demChristenkhume einen Herd in denselben aufzuschlagen. Inden Mutterstädten gründeten sie die ersten Gemeinden, dieersten Kirchen, und von den Mutterstädten aus verbreitetesich dann das Christenthum strahlenförmig durch die Pro-vinz, und es bildeten sich kleinere Gemeinden, kleinereKirchen in den kleinern Städten; diese verhielten sich dannzu der größern Gemeinde oder Kirche in der Hauptstadt,wie die Töchter zur Mutter, und dadurch wurden die Mut-terstädte zu Mutterkirchen, und es entwickelte sich das Me-tropolitanverhältniß. Mainz war die Mutterstadt des erstenGermaniens und damit ohne Zweifel auch des dazu ge-hörigen Zehntlandes. Als solche war es dann auch wohlschon in der Römerzeit der Herd des Christenthums fürbeide Länder; aber an einen eigentlichen Metropolitanver-band hat man dabei noch nicht zn denken; die christlicheBevölkerung war damals in dieser Gegend noch zu dünngesät, und zu sehr vom Berkehr mit der übrigen Chnsten-
11 *