Band 
Zweiter Theil.
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Wir haben es hier mit einer zu Pergament gebrachtenSage der schlimmsten Art zu thun. Von ihr ist nicht nurdie Schale, von ihr ist sogar der Kern verfälscht, undzwar höchst wahrscheinlich nicht ohne Absicht, nicht ver-möge eines frommen, sondern vermöge eines bösartigenBetrugs verfälscht, bösartig wenigstens ohne Zweifel vonSeiten seines Erfinders, von Seiten dessen, von dem diegeschichtsverdrehende Verläumdung ausging, wie von Sei-ten seines Vollenders, von Seiten dessen, der das Lügen-gewebe eines erdichteten Concils und aus der Luft gegrif-fener Akten desselben zusammenstöppelte. Weniger schuldigsind die bloßen Nachsprecher, die Weiterträger der Ver-läumdung, aber unschuldig, unschuldig sind sie darumkeineswegs; nur die unüberwindliche Unwissenheit ent-schuldigt, und für Gegenstände der Geschichte gibt es we-nige Fälle, in denen die Unwissenheit nicht überwundenwerden könnte. Man steige nur in die Tiefe nieder, mangehe nur zu den Quellen zurück, man nehme nur nichtsan, noch weniger spreche man etwas nach, ohne es zuvorgenau geprüft zu haben. Prüfet Alles, sagt der Geistdes Herrn, und das Beste behaltet. Bei der Prü-fung wird sich immer herausstellen, was Wahrheit ist aneiner Sache und was Dichtung. Beide drücken sich inder Regel selbst ihren Stempel auf die Stirne. Diefraglichen Akten z. B. verrathen ihre Unächtheit schon inder Genauigkeit ihrer Zeitangabe, hinter der eine wahreGewissensangst hervorleuchtet, sie bestimmen das Jahr, inwelchem das angebliche Concil gehalten worden sein soll,nach einer vierfachen Zeitrechnung, und wie ich schon obenbemerkt habe, die Ueberladung ist ein beinahe untrüglichesKennzeichen der Unächtheit, und sie versperrt sich überdießselbst den Ausweg. Man könnte, wie es auch vielfach