Band 
Zweiter Theil.
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„Allzuscharf haut nicht"; sie sieht immer nur den Split-ter im fremden Auge, aber des Balkens im eigenen wirdsie nicht gewahr. Der Frankenkönig Chlodwig, sagt sie,konnte nicht den ganzen Rhein verschenken, er nannte selbstbloß einen Theil und zwar einen sehr kleinen Theil des-selben sein Eigenthum, und nicht einmal sein unumschränk-tes Eigenthum, die Herzoge von Alamannicn hatten darüberzu verfügen. Er hatte die Alamannen allerdings ^96 inder Schlacht bei Zülpich unter seine Oberherrlichkeit ge-bracht, aber diese Oberhcrrlichkeit ging noch nicht so weit,daß ihr Eigenthum zu dem seinigen geworden wäre, undjedenfalls erstreckte sie sich bloß auf das nördliche Alaman-nien, das südliche stand als eigenes Herzogthum unterder Oberhcrrlichkeit des Ostgothenkönigs in Italien, undgerade diejenige Insel, welche Fridolin sich später wählte,gehörte zu dem südlichen Alamannien, sie kam mit diesemerst unter den Söhnen des Gründers der fränkischen Mo-narchie unter die Oberherrlichkeit der Franken. Ganz recht,aber wittert die Spürnase der historischen Kritik auchAlles, was in der Erzählung mit Stillschweigen Übergän-gen wird? Und wann hätte je eine Krähe der andern dieAugen ausgehackt? besonders wenn es sich um etwas han-delte, wonach kein Hahn kräht, und was jedenfalls umGeld feil ist. Gesetzt, Fridolin hätte seine Insel gesundenund hätte auf Grund der Schenkung Chlodwig's davonBesitz genommen, es Ware aber Jemand hergekommen undbätte gesagt: ich leid's nicht, dein Chlodwig kann nichtsverschenken, was nicht sein ist, so hätte er ganz gelassendarauf antworten können: gut, ich wußte es nicht, und erdachte ohne Zweifel nicht daran, daß diese Insel nichtsein ist. Aber was nicht ist, kann noch werden. Was ver-langst du für deine Insel? ich will sie dir abkaufen. In