140
alsdann die Franken ihr Bündniß mit Rom lösten odernicht, im Besitze der Herrschaft über Italien und dieöffentliche Meinung der ganzen Christenheit glaubte ersich auch den Franken gewachsen.
Auf dem römischen Stuhle saß dazumal Paul I. Erwar am 29. Mai 757, zwei Monate nach der Thron-besteigung des Desiderius, auf denselben erhoben worden.Der Longobarde bot seine ganze Kunst auf, ihn aus seineSeite zu bringen, aber all seine Mühe war verloren.Paul hielt so unerschütterlich an dem Frankenkönige, alssein Bruder und Vorgänger Stephan III., der denselbenzum Könige gemacht hatte. Aber der Mensch ist sterblich,dachte Desiderius, und traf Vorkehrungen, deren Erfolgnicht nur den vollendeten Schauspieler, sondern auch denvollendeten Maschinisten verrieth. Ein Jahrzehnd war demNachfolger Stephan's III. zur Regierung der Kirche Gotteszugemessen. Gegen Ende Juni's 767 legte sich Paul I.zum Sterben. Da erhob sich Herzog Toto aus der StadtNepe, mit seinen Brüdern Constantinus, Passivusund Paschalis, und brachte aus Nepe und andern tus-cischen Städten zahlreiche Mannschaft und dazu einenHaufen Bauern vom Lande zusammen. Sie drangen durchdas Thor des heiligen Pancratius in die Stadt Rom ein,wählten in Toto's Hause dessen Bruder Constantin,der noch Laie war, zum Papste und führten denselbenbewaffnet in den Lateran. Unterwegs griffen sie den Bi-schof Georg von Präneste (Palestrina) auf und zwangenihn, dem Gewählten die Priesterweihe zu ertheilen. Amandern Morgen ließ sich Constantin in aller Frühe vomganzen Volke Treue schwören. Am folgenden Sonntage,da Paul mittlerweile, den 28. Juni 767, aus demLeben der Zeitlichkeit geschieden war, zog er umgeben