Band 
Sechster Theil.
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falle. Dieses Gesetz der Natur hatte schon Constantingeahnet und deßhalb dem römischen Weltreiche zu seinerersten Hauptstadt im Mittelpunkte der einen Hälfte derEllipse noch eine zweite in der andern Hälfte derselbengegeben. Aber die Erleuchtung von oben hatte ihm ge-fehlt, er hatte das Gesetz der Natur nicht nach dem Geistezu deuten gewußt, sonst hätte ev mit Anerkennung desGottesreiches diesem auch sein besonder Haupt gegeben,für sich selbst aber nur die Leitung des Weltreiches be-halten, und jenem die eine, sich die andere seiner beidenHauptstädte zum archimedischen Fleckchen angewiesen, unddadurch hätte er vielleicht auch seiner neuen Roma dieewige Dauer bereiten mögen, die der alten bestimmt war,und es hätte keiner Erneuerung des römischen Weltreiches,keines »zweiten Constantin" bedurft. Karl gedachtenachzuholen, was sein Borbild versäumt hatte. Er sorgtebei Grundlegung seines Weltreiches vor Allem für einenbesondern Ausgangspunkt zur Leitung des Gottesreichesund machte Rom zum kirchlichen, dann aber sein Achenzum politischen Centrum seiner Weltherrschaft, nahm indessenzur Begründung derselben denn doch für seine Persondie Doppelmacht eines Oberhauptes von Kirche und Staatzugleich in Anspruch.

Noch aber war die Eroberung des Longobardenreichesnicht ganz vollendet, die Hauptstadt desselben hielt nochimmer ihre Thore verschlossen, aber Hunger und Seuchenwütheten in ihrem Innern, und ihr Fall war unabwend-bar. Karl kehrte zu seinem Heere zurück und betrieb dieBelagerung mit erneuertem Eifer. Desiderius aber,durch den Drang der Noth zu dem Herrn zurückgeführt,den er im Uebermuthe des Glückes vergessen hatte, erhobsich allnächtlich von seinem Lager und ging in die Kirchen