Band 
Sechster Theil.
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vom Abfalle Wittekind's und Alf's einlief, knirschte esmit den Zähnen und kochte Rache im Herzen, wie in ei-nem luftdicht verschlossenen Gartopf, und sieben Jahrelang war Ruhe, dumpfe Ruhe im Lande. Die Priesterund Prediger hatten Allem aufzubieten, die blutübcr-gossene Pflanzung im Wachsthum zu erhalten und zufördern. Karl der Große hatte ihnen nur den Bodenerobert, aber demselben zu gleicher Zeit alle Empfanglichkeit und Triebkraft entzogen. Es gehörten Heilige da-zu, wie Willehad, Liudger u. A., deren Leben undWirken wir besonders geschildert finden, um nur wiedergut zu machen, was er böse gemacht hatte. Das Schwertdes Unterdrückers bewährte sich als einen höchst unglück-lichen Apostel. Der Nachfolger des Apvstelsürsteu, der hei-lige Vater zu Rom, und Karl's großer Cultminister, dergroße Staatsmann Alkuin, hatten es ihm sattsam vor-ausgesagt, und sie versäumten keine Gelegenheit ihm diedringendsten Vorstellungen über die Verkehrtheit seinesVerfahrens zu machen; aber es war gerade als huldigteder große Karl, von seiner Größe geblendet, dem Grund-sätze aller Zwingherren: «Also will und beseht' ich's, mirgilt statt des Grundes der Wille."

Im Jahre 793, wie er einen neuen Feldzug gegen dieAvaren eröffnete und gerade im Begriffe stand, in Personwieder nach Pannonien zu ziehen, erhielt er die Nach-richt, daß die Truppen, welche der Ripuariergraf Theo-dorich, sein Anverwandter, durch Frisland geführt, imRiustrigau an der Weser von den Sachsen verrathen undaufgerieben worden seien. Auf diese Kunde hin gab er denZug gegen die Avaren aus und beschloß auf dem folgen-den Reichstage, zu Frankfurt, im Frühjahre 794, einenKriegszug gegen die in völliger Empörung begriffenen