Der Blumen Helles Geld in Strahlen umgebcgenThürmt si» am Stengel auf und krönt sein grau Gewand;Der Blatter Weiß mit tiefem Grün durchzogenStrahlt in dem lichten Blitz von feuchtem Diamant —
— Ich weiß doch nicht/ was er eigentlich will ; undkömmt dann ein Mahler ünd giebt mir durch Licht undFarben ein ähnliches Bild vom Enzian den obige Verseschildern sollten/ so fühle ich/daß der Dichter nur versuch-te/ was der Mahler würklich kann. Mithin sollte sich dererstere an Schilderungen einzelner , würklichcr Wesen/deren unterscheidende Kennzeichen körperlich sind / auchnicht wagen!
Sind der Körper mehrere und alle ruhig/ so stehen sieentweder in Verbindung zu einem gleichzeitigen Ganzen ,oder jeder füllt seinen Platz für sich und ohne Bezug aufdie übrigen. Im ersten Fall versinnlicht der Mahler Col-lectifbegriffe die versinnlicht werden können , als: Land-schaften / Städte / Wälder und so weiter — zwar ohneregsames Leben / aber doch alle auf einen Raum einge-engt; und so, daß sie mir anschaulich/ und ich fähig wer-den muß , dieselben von allen übrigen ähnlicher Art rich-tig zu unterscheiden. Das heißt übermahl: Der Mahlerfesselt alle Tieile eines gleichzeitigen , leblosen oder un-bewegten Ganzen so genau in scharfe , feste / bestimmte /sich auszeichnende Umrisse / daß er nicht blos auf meineFantasie , sondern auf meinen Verstand würkt , unddiesem anschauliche Begriffe aufnöthigt. Und nun derDichter ? Will er z. B. eine Landschaft schildern — ichsage / wie sie sich in der Natur verbreitet , und nicht Dieer sich dieselbe idealisiert — so sind alle Beschreibungenmüßig und gedroschenes Stroh. Daß ich dieselbe indem Gedicht wie in dem Gemahld mit Einem Blick über-sehe / kann er unmöglich bewürken ; und eben so wenig,daß die succeßiven Züge , welche er meiner Fantasie du-