254
Sind der Körper mehrere aber alle ruhig, und jedereinzeln für sich, ohne Bezug auf die übrigen; so darfder Mahler sie in Ein Gemähld 1 nicht zusammendrän-gen. Mehrere , isolierte, nicht in Eins gefügte Körperbilden keine Gemähld : Alle Succeßion auf einem Raumist dem Aug zuwider; und wo mehrere Gegenstände,die unter einander nicht ein Ganzes bilden, der Be-schallung zugleich dargeboten werden, ist Succeßion un-ausweichlich. Bezweckt der Dichter nur Aufregung derFantasie, und nicht Darstellung von unterscheidendenKennzeichen; will er nur daß sein Ideal über meineEinbildungskraft wcgschiüpfe, im Vorüberschlüpfen die-selbe erschüttere — und nicht, daß ich durch seine Schilde-rung die charackteristischen Merkmale irgend eines wirk-lichen Wesens anschaulich erkenne —so hat er hier freyernSpielraum als der Mahler; ob er sich aber dessenbedienen werde, ist eine zwote Frage ? Da an sich Schil-derung ruhiger, unthätiger Körper nicht eigentlich in desDichters Gebieth gehört, so wird er , wie der Mahler,mehrere, mäßige und von einander isolierte Körper nichtin eine Succeßion von Bildern aufnehmen wollen ; we-nigstens erinnere ich mich nicht, daß ich in unsern gutenDichtern je auf eine solche Stelle getroffen hätte, Brockshat mehrere , besonders in seinen Frühlingsschilderun-gen-; und , wo ich mich recht entsinne, in seinen Ver-suchen , die Blumen eines Gartens zu charackterisieren,befinden sich die meisten ; aber die beßte Würkung thunsie wahrlich nicht — obgleich der poetischen Sprache we-gen unsere Almanachs-Dichterbey dem vergessenen Mannezur Schule gehen könnten.
Ist ein einzelner Körper in Bewegung , so mußdiese Bewegung die Folge einer körperlichen Kraft — oderdas Symbol, die sinnliche Andeutung einer geistigenWürkung seyn; oder wohl auch beyde zugleich. Nihm