Band 
Schweitzersches Museum. 1783.
Entstehung
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würdigen Lady oder Baronesse nicht in ihrm Talentenoder Gemüthseigenschaften, sondern in ihren aussen, Um-standen zu finden wähnen. Was aber ein filcher Trug-schluß für phantastische Bedürfnisse, citele Bestrebungen,und nagende Unzufriedenheit über ihrSchicsal, indemHerz dieser guten Kinder zeuge, ist nicht aufzusprechen!Auch fangt unser Geschlecht klüglich an, soche Heldin-nen fein in der Iungcrferschaft sitzen zu lasser , weil manbillig von ihnen befürchtet daß sie auf dem Theater einesbürgerlichen Hauswesens vor lauter Decorinn zum Agie-ren völlig untauglich sind. — Aber alle dieses Unheil,welches etwa die Romanen in jungen Schwirbclköpfcnbeyderley Geschlechts anrichten, ist doch beym wahrenLicht betrachtet nur ein zufälliger Schade. Es kömmthier , wie bey der eigentlichen Geschichte, alles ledig-lich auf die Gemnthsfaffung der Leser an, ob sie ausihrer Lcktur das Gift oder den Honig saugen wollen. —Beyde fübrcn die Tugenden und Laster der Menschenmit ihren Folgen rwr unsern Augen auf, und haben dierühmliche Absicht-, uns durch fremde Erfahrung besserund klüger zu machen : Noch mit diesem merkwürdigenUnterscheid, daß wohlgerathene Schilderungen aus demHausleben eine practische Philosophie für alle Alter undStande von den Thronen an bis zu der Strohhütte ab-geben können; da hingegen gerade die bcßte bürgerlicheoder Staatsgcschichte nur ausgemachten Männern ver-ständlich , und für die niedrigern Classen der Menschen gu-tentheils unbrauchbar ist. Rückt man etwa den Roma-nen vor, daß sie wohl eher Lovelacen und Blifile züch-ten , als hingegen Clarisscn oder Tom Jones bilden wer-den , so frag' ich : Ob man es den Tacitus und Humesauch auf Rechnung stellen soll , wenn allenfalls ein jun-ger Fürst den Kaisern des erster» ihre Bubenstücke ab-lernen, yder ein verbrannter Kopf die Grundsätze hep