Jndependcnten für achte Politik halten will? — Oderinsistirt man von einer andern Seite darauf: Daß sol-che Dichtungen junge Enthusiasten beyderley Geschlechts,in der Wahl eines Gatten z. E. schwnrig machen, soantwort' ich darauf: Wollte Gott daß dieser Vorwurfbegründet wäre! Ein wetteiferndes Bestreben der Mäd-chen und der Junggesellen nach mehrerer Vollkommen-heit müßte die natürliche Folge davon seyn, und dürfteder Glückseligkeit ihrer künftigen Ehe wenig schaden.Aber, heißt es: Die Grandisons, Amalien, und andresolche Ideale männlicher und weiblicher Engel taugeneben gerade um ihrer Vollkommenheit willen nichts fürMuster zur Nachahmung, weil sie uns bey dem redlich-sten Vorsatz allen Muth und Lust benehmen, es zu ver-suchen, solche chimärische Höhe und Grösse zu errei-chen ; so daß wir am End uns gar für entschuldigt halten,wenn wir noch etliche Stuffcn unter dem Erreichbarenstehen bleiben. — Aber aus dem nämlichen Grund müß-ten wirD. behaupten, daß die Sittenlchre und Staats-kunst ihre Grundsätze vom Guten und vom Recht künf-tig, nach Machiavclls Weise, aus dem eingeführren Un-recht deduziren sollten: Noch mit dem Unterscheid, daßwirklich der schiefe Kopf und das bestochene Herz gegenabstracte Wahrheiten immer weit mehr einzuwenden weiß,als gegen jenen sinnlichen Unterricht, welcher uns durchBeyspiele, theils wahre, theils wahrscheinliche, beleh-ren will; ich meine eben gegen die Romane und gegendie Geschichte. Denn was die letztere hetrift, so mußdas gerechte Leben eines Aristides, oder die eheliche Lie-be einer Arria und der Weiber von Wynsperg, wohl mög-lich seyn, weil sie wirklich sind, Und in Absicht auf dieerdichtete Erzählungen, von denen wir eigentlich reden,kömmt alles darauf an : Ob in dem Leben der morali-schen Helden, d. h. in ver Reihe der ununtcrbrochnen
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