Band 
Schweitzersches Museum. 1783.
Entstehung
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10.

Bullinger an Keßler,

Lehrer der lateinischen Schule zu St. Gallen.

Diese Nacht (14. Dec. 1565.) starb Conrad Geßner,diese so besondre Zierde nicht nur unsers Zürichs son-dern des ganzen Helvetierlandes. Es hatte sich in seinemEingeweyde ein Pestgeschwür von der schlimmsten Artangesetzt, und unter seiner linken Achsel war eine Beuleherausgewachsen. Vergangenen Sonntag war er nochin der Kirche, so wie er überhaupt ein sehr fleißiger Zu-hörer meiner Predigten war. Er grüßte mich nach sei-ner Gewohnheit. Bald darauf überfiel ihn seine Krank-heit: Erlag jedoch nie zu Bette; oder wenn er sich et-wan für einige Augenblicke niedergelegt hatte, stand ersogleich wieder auf, gieng oder saß, und redte unter-deßen immerfort von heiligen und nützlichen Dingen:Ja er arbeitete so gar noch bis auf seinen letzten Athem-zug : Der Mann, der sonst schon von seinen Arbeitenerschöpft war. Gestern noch schrieb er vieles, und batmich: „ Einen Fründen, die ich all wol kandte, an„ des Kaysers Hof, in Tütschland, Frankrich, Eng-„ land, Jtalyen, zu gnaden, und daß sie all redlich» wolltind syn am christlichen Glouben. *)» —Hieraufergriff er meine rechte Hand, legte mir noch das Be-kenntniß seines Glaubens, und seiner gcwißen Hof-nung des ewigen Lebens durch Jesum Christum ab, undnahm unter tausend Thränen, die wir beyde vergossen,von mir Abschied. Und so ruft der Herr, wie du stehst,die gelehrtesten und wackersten Männer einen nach demandern aus dieser Welt ab. Was die Folge seyn wird,darf ich dir nach deiner frommen Gesinnung nicht erstsagen.Dieses sind Geßners eigne Worte, die Bullinger deutsch in seinenlateinischen Brief hat einstießen lassen.