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Zur Geschichte Wallensteins / durch Friedrich von Hurter
Entstehung
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Vorwort.

VII

Unentschiedenheit geäußert. Denn bejahend durfte eine Ansicht,welche nicht minder mit damaligen Meinungen als mit der ge-sammten bisherigen geschichtlichen Tradition in Widerspruchtreten sollte, erst dann sich hervorwagen, wenn sie im Standewar, auf gewichtige und gültige Zeugnisse sich zu berufen.

Solche bot hierauf das ehemalige reichserzcanzlarischeArchiv, welches erst vor wenigen Jahren durch verdankens-werthe Bemühung des Herrn Negierungsraths Chmel ausSachsenhausen nach Wien gebracht worden ist. Dasselbe ent-hält nicht allein die Acten der Liga, sondern auch den umfangs-reichen Briefwechsel ihrer beiden dirigirenden Häupter, derChurfürsten von Mainz und von Bayern. Diese beiden Samm-lungen zusammt den vielen andern in dem eben erwähntenArchiv aufbewahrten Schreiben, Berichten, Klagen, vervollstän-digt durch dasjenige, was das k. k. Staatsarchiv bot, erhobenjene anfänglich leise Ahnung immer mehr zu fester Ueberzeu-gung, welche darin sich ausspricht: daß der Entschluß, Wallen-stein nicht allein die Bildung eines Heeres zu übertragen, son-dern auch dessen Erhaltung ihm zu überlassen, für den Kaiserdas bitterste Mißgeschick zur Folge gehabt habe. Indeß mußder Verfasser dieser Schrift auf das bestimmteste erklären, daßer, wenn es sich um Wallensteins Person handelt, er nur das-jenige im Auge haben könne, was bis zum Jahr 1630 vorge-gangen ist; was darüber hinausliegt, ist ihm zur Zeit nochebenso unbekannt, wie seither, da er den Fragenden die Ein-gangs erwähnte Antwort ertheilte. Er maßt sich daher überWallensteins späteres Thun und Benehmen keinerlei Urtheil an.Schenkt Gott Leben und Kräfte, um auch von dieser Zeit an