Vorwort.
schlimmsten Zeit Oesterreichs Fürsten dem beabsichtigten Unter-gang entrissen hatte, der innern Zerrüttung, der Auflösung ent-gegenzutreiben , statt in treuem Zusammenwirken mit demselbendurch vereinte Macht möglichst schnelle Beendigung des Kriegeszu erkämpfen? Sind denn die Mittel, um jene Auflösung zuerzielen, so preiswürdig gewesen, geben sie wirklich Zeugnißvon einem überragenden Talent? Erst sollten Tillys Kriegerin den Winterquartieren verkümmern, dann durch das nahegestellte Beispiel schlafferer Zucht störrig, seine Offiziere durchdie Lockung reichlicher» Kriegsgewinneö abwendig gemacht, zu-letzt die vornehmsten Befehlshaber, gleichsam die bewegendeKraft eines Heeres, durch Versprechungen und glänzende Aus-sichten aus demselben hinübergelockt werden.
Einige haben es Wallenstein zum Verdienst anrechnenwollen, daß er sich mit dem Gedanken getragen, die Reichs-verfassung umzustürzen, vornehmlich die Churfürsten zu beseitigen,den Kaiser zum unbeschränkten und erblichen Herrn Deutsch-lands zu machen. Dürfen die Anschauungen der Gegenwartso unbedingt in die Vergangenheit zurückversetzt werden? Esist nicht zu leugnen, daß so Zustände als Persönlichkeitender Gegenwart hin und wieder ein solches Sehnen heraus-preffen; hätte dasselbe vor mehr als zwei Jahrhunderten eben-falls Anklang finden können? Wir müssen dieses bezweifeln.Und unter welchen Verumständungen, durch welche Mittel hätteein solches Vorhaben sollen bewerkstelligt werden? Verdienenjene gar keine Berücksichtigung, sind diese aller Würdigung ent-rückt? Von den sechs Churfürsten (der siebente, der Königvon Böhmen, fällt mit dem Kaiser aus dem Hause Habsburg