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Wallenstei'n und der König von Schweden.
gestatte er die Herrschaft auf derselben Niemand; wodurch eSdiesem nicht schwer fallen konnte, jeden Nerkehr mit den durchkaiserliches Volk besetzten Seestädten gänzlich zu verhindern 23).War somit über die Gesinnungen oder über die Absichten desKönigs noch ein Zweifel möglich?
Ziehen wir von den mehr als 100,000 Mann, welche nachCollalto's Geständniß 24) das kaiserliche Heer in der Mitte desJahres 1629 zählte, die 20,000 Mann, welche Piccolomini nachItalien hatte führen müssen, ab, so verfügte Wallenstein immernoch über eine Macht, welche unter allen Wendungen jedesfeindliche Unternehmen hätte erdrücken können; zumal bei gutemEinverständniß das abgehärtete, kampferfahrene und ansehn-liche Bundesheer ohne Widerspruch zum Mitwirken bereit ge-wesen wäre. Nur mit Ausnahme Stralsunds stand damalsnoch das ganze Küstengebiet der Ostsee, standen die Ufer derElbe in der Gewalt kaiserlicher Kriegsmacht. Von Dänemarkwar seit dem Friedensschluß nichts zu befürchten. Wie hatnun Wallenstein jene Macht, wie diese Stellung Angesichtsdes offenkundigen Vorhabens des Königs von Schweden be-nutzt? Wie hat er in so ernstem Augenblick seiner Pflicht alsdes Kaisers oberster Feldhauptmann, seinem Ruf als umsich-tiger und erfahrener Heerführer Genüge gethan? Die Fragegewinnt eine um so ernstere Gestalt, wenn wir mit seineneigenen Aeußerungen noch die Versicherung eines neuern Schrift-stellers 25) in Verbindung bringen, daß ihm das Vorhaben desKönigs von Schweden lange vor dessen Ausführung bekannt
N) Khevenhiller XI. 783.
2>) bisni Hist. äi Vsn. 1, 537 spricht vo» 130,000 Mann. BeideAngaben lassen sich vielleicht dadurch vereinigen, daß Collalto nur die inDeutschland befindlichen im Auge hatte, der Venetianer die in Italien stehen-den dazu zählte.
24) Förster Wallenstein S. 314.