Vorrede
des Beförderers der grössern lateinischen Ausgabe.§
ie ungemein nothwendig einem christlichen Menschen' zur Erlangung seiner Seligkeit die Erkenntniß derheiligen Religion, zu welcher er sich bekennet, sey, brau-chet da kein langes Beweisen , weil dieses jedermann oh-nedas gern zugiebt; obschon (O der Schande!) schierNiemand selbe zu bekommen sich recht läßt angelegen seyn.Es haben zwar die kleinen Kinder im Brauche schon inden ersten Jahren die kurz zusammen gezogenen Haupt-stücke derselben auswendig zu lernen; weil aber eine sohoche Wissenschaft den Verstand dieser jungen Leute weitübersteigt, vergessen sie wiederum selbe so geschwind, alsleicht sie dieselben gelernet haben. Man darf sich auchdarüber nicht verwundern ; denn bis auf unsere Zeiten ha-ben die Bücher, welche in den Händen der Lehrmeisterund Kinder herumgiengen, die wichtigsten Glaubensleh-ren so beschwerlich, und ohne Geschmack vorgetragen ,daß man daraus wenig oder gar nicht eine rechte Einsichtin die Religion erhalten konnte. Es wußten also die Leh-rer selbst kaum was mehreres als die Kinder, welche sie un-terrichteten ; und, also zu reden , nur die Gottesgelehr-ten konnten sich durch unaussetzliches Bemühen und be-ständiges Lesen eine vollkommene Erkenntniß der Reli-gion verschaffen. Der hochgelehrte Canisius aus der Ge-sellschaft Jesu wollte diesem gar schädlichen Unheils abhel-fen , und verfertigte zum Nutzen der Kinder und jener,welche mit der Unterweisung selber sich beschäftigen , einGlaubenslehrbüchlem, in welchem er, mit Uebergehungder unter den Gottesgelehrten in den Schulen gewöhnli-chen Sireite, sich bemühet jenes zu lehren, was ein christ-licher Mensch wissen muß, und durch Zeugnisse des ehr-würdigen Alterthumes zu bekräftigen suchet. Allein er hat
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