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Katholische Unterweisungen nach der Weise einer Christenlehre, in welchen, was immer zu der Religionsgeschichte, und den Lehren, Sitten, Sacramenten, Gebethen, Gebräuchen, und Uebungen der Kirche gehöret, insgesammt in einem kurzen Begriffe aus den heiligen Gründen der göttlichen Schrift und Uebergabe deutlich gezeiget wird / aus der französischen Sprache in die lateinische gebracht ... von dem Verfasser und auch Uebersetzer Franciscus Amatus Pouget ... ; aus der lateinischen Sprache in die deutsche übersetzet, und ... vermehrt von einem Priester aus dem Orden des heiligen Benedictus
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3 Theil. 2 Abtheilung.

F. Heißt die Kirche gut oder geduldet sie nur jene« anvielen Orten gewöhnlichen Brauch, daß man in den Kirchen,ja auch in abgelegenen Orten der Dörfer und Gassen der Städ-te geschnitzelte Bilder der seligsten Jungfrau Maria und an-derer Heiligen mit kostbaren Kleidern zieret, aussehet, undvor selben einige Ampeln oder Kerzen anzündet ?

2t. Diesen Brauch gebieth zwar die Kirche nicht, obersie tadelt ihn auch nicht; ja sie heißt ihn gut, weil er Nichtswider die Regel des Glaubens und guter Sitten enthält.Wenn das christliche Volk in solche Unwissenheit gerathensollte, daß es meynete in selben Bildern eine Kraft zu ste-cken ; oder wenn bey selber äußerlichen Verehrung etwasabergläubisches miteinlief : würde die Kirche gleich dawi-der seyn , wie man dieses aus der Kirchenversammlung z rTrient ( Less. 25 , Oecret. cte Invoc. 8snK. 6c 8acr.Imu§.) sieht. Es müssen auch die Bischöfe fieissig daraufsehen , damit Nichts abergläubisches bey solchen Dingen ein-schleiche. Diese Sache dann ist an sich gut, dem Glaubengemäß, und enthält Nichts, was man mit Billigkeit ta-deln könnte. Ob die Kleider zur Bedeckung der geschnitzeltenBilder der Heiligen von gehauenem Steine, oder Marmor,oder Erze, oder einem seidenen Zeuge gemacher werden, giltgleich. Mit kostbaren Kleidern werden sie in Absicht aufdie Heiligen selbst , welche die Bilder vorstellen, aus schuldi-ger Ehrerbietigkeit gezieret : durch die vor selben HeiligenBildern brinnenden Ampeln oder Kerzen aber werden wirerinnert, daß die Heiligen in dem Orte des ewigen Lichtesmit Christo schon herrschen, damit auch wir zu selbem Lichtezu gelangen uns bceifem sollen.

F. Heißt die Kirche gut oder geduldet sie nur den Brauch,vermöge dessen die Priester oder Diaconen die Stolle auf dasHaupt der Gläubigen legen und das Evangelium bethen, umdadurch den guten Verlangen des frommen Volkes genug-zuthun?

A. Diesen Brauch heißt die Kirche gut, ja sie bedienetsich desselben schon lange in vielen Kirchen nach feyerlicherMittheilung der Taufe und einiger andern Sacramente.Man

darf