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Booz, dem ihr Fleiß und ihre Bescheidenheit gefielen, und wie ervernommen, wie sie an ihrer Schwiegen« gehandelt hatte, sprachzu ihr: „Gehe nicht lesen auf einem andern Acker, und weiche nichtvon diesem Ort, sondern halte dich zu meinen Mägden, und wo sieschneiden, da folge; denn ich habe meinen Knechten geboten, daßniemand dir beschwerlich falle. Und wenn dich dürstet, so gehe hinzu den Gefässen, und trink von dem Wasser, wovon auch die Knechtetrinken. Wenn es Essenszeit ist, so komm hieher und iß Brod, undtunke deinen Bissen in den Essig." So that sie und setzte sich zuden Schnittern; nach dem Mahle sammelte sie wieder Aehren.Booz aber befahl den Schnittern, von ihren Garben geflissentlichliegen zu lassen, damit sie ohne Scheu auflesen könne. Am Abendtrug sie das Aufgelesene und den Rest ihres Mahles zu ihrerSchwieger, und sammelte auf dem Acker des Booz, bis Gerste undWalzen in die Scheune gebracht war. Als man nun auf der Tennedrosch, ging Ruth auf den Rath ihrer Schwieger leise des Nachtszum Lager des Booz, der bei einem Haufen Garben schlief, deckteihm die Füße auf, und legte sich nieder. Als er erwachte und vonihr erfuhr, daß sie seine Verwandte sei — der nächste Verwandtedes verstorbenen Ehemannes war verpflichtet, dessen Wittwe zu Hei-mchen — ließ er von einem nähern Verwandten dessen Anrecht sichabtreten und nahm sie zum Weibe.
Wir werden auf natürliche Weise dahin geführt, von der he-bräischen Poesie zu reden, denn wenn die wahre Poesie jene Stimmedes Gefühls ist, welchem die Liebe zu Gott und der MenschheitWorte verleiht, welche betet, über das Uebel und das Böse klagt,tröstend und trostsuchend nach Oben das thränenvolle Auge erhebt,so hat sie bei keinem Volke ihre Aufgabe besser erfüllt, als bei denHebräern.
Die ganze hebräische Literatur ist in der Bibel enthalten *),
H Die Hebräer theilen ihre Bücher ein in die Thora, d. h. die Lehre,nämlich die fünf Bücher Mosis, die Kebnm oder Propheten, dieNhetubim, oder Schriften im Allgemeinen. Der Talmud nennt äibr«e»I)»link, d. i. Worte der Ueberlieferung, Alles, was nicht zu Thoragehört. Die Rabbiner sagen, nur die Thora sei wahrhaft eine neueBotschaft in Israel, alles übrige feie nur rheilweise Entwicklung desursprünglich in der Thora Grund gelegten. Die Hebräer bezeichnen diefünf Bücher des Pentateuchs nur durch die Anfangsbuchstaben einesjeden von ihnen. Die gebräuchlichen griechischen Benennungen stammenvon den siebeuzig Uebersetzern ab.