Band 
Erster Band
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Form ist viel großartiger als Reim und Sylbemnaaß, welche dieBewegung keineswegs hindert, sondern erhält. Selbe ging ausdem Umstände hervor, daß die Psalmen abwechselnd gesungen wur-den, wozu das Volk den Chor bildete Ein Theil der Anwe-senden sang : der Herr ist eingetreten in sein Reich! Die Erde mögevor Freude erzittern! der andere antwortete: Alle Inseln mögen sichfreuen. Der erste begann wieder: die Wolken und die Finsternißumgeben ihn, und der andere erwiderte: Gerechtigkeit und Gerichtsind die Stützen seines Thrones.

Die Dichtkunst der Hebräer übertraf die der übrigen Völker auchdadurch, daß sie volksthümlich war und recht eigenthümlich auf ihremnationalen Dasein beruhte. Ihre beiden größten Dichter waren ihrGesetzgeber und ihr größter Monarch; ihre Hymnen wurden beiallen Festlichkeiten gesungen; darum galt auch die Musik als einHaupttheil der Erziehung. Sie hatten in ganz früher Zeit Pro-pheten-, d. i. Sängerschulen, und Samuel zeigt uns eine Schaarvon Propheten, welche singend unter Begleitung der Cymbel, desPsalters, der Flöte und der Harfe von der Höhe herniederstiegen.

Die Kunst des Gesanges blühte insbesondere unter David, welcher24 Sängerchöre für die öffentlichen Festlichkeiten aus 4000 Levitenbildete. Diese Chöre wurden von Asus, Eman und Jditum, drei selbstberühmten Dichtern, geleitet. Was können unsre Theater-und Conzert-sänger Luden verschlossenen Sälen uns bieten, was mit jenen erhabenenVolks- und Glaubensfesten sich vergleichen ließe! Man denke sichganz Israel in zwei große Chöre vertheilt, der eine stand auf demBerge Ebal, der andere auf Garizim, der Jordan trennte beide.Die Leviten stimmen an den Psalm: „Verflucht der, welcher Bilderder Götzen schnitt oder goß! Verflucht, der Vater und Mutter nichtehrt! Verflucht, wer den Gränzstein seines Nachbars verrückt, denBlinden irre führt, dem Fremden, der Wittwe, Waise keine Gerech-tigkeit widerfahren läßt, der mit eines andern Weibe oder einerVerwandten sündigt! Verflucht sei, wer verräterisch seinen Nächsten

*) „Und da die Bauleute den Grund gelegt !M Tempel des Herrn, standendie Priester in ihrem Gewand mit Trompeten, und die Leviten mitCymbeln, Gotr zu loben, weil er gut, weil seine Barmherzigkeit ewig-lich über Israel währet. Und alles Volk schrie mit lautem Rufe, undlobte den Herrn, daß der Tempel des Herrn gegründet worden." I. tZö-dras, II, 10, 11.

") I. König- X, 5.