Band 
Erster Band
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dein azurnen Halse und zwar aus folgendem Grunde: die Surasund Asuras, die guten und bösen Geister, stürzten, wie bereits er-wähnt, den Berg Meru in das Milchmeer; nachdem sie die Am-rita, den Trank der Unsterblichkeit, gemacht hatten, verzehrten sieihn vollständig und ließen den Menschen nur ein wenig saure undverdorbene Milch übrig. S chiwa trank nun diesen trüben Bodensatz,um das Menschengeschlecht zu erhalten; es blieb ihm aber davonin der Kehle stecken, so daß er ganz blau wurde. Diese Thatmachte ihn den Jndiern sehr theuer, die ihm ihre hauptsächlichstenTempel weihten. Er hat nicht weniger als tausend Namen und seinganzer Kultus verbildlicht die entgegengesetztesten Kräfte der Zer-störung und der Erschaffung. Als wohlthätiger Erzeuger, Gott vonNisa, König der Berge, stützt er sich auf den Stier Nandi, trägtin seinen Händen die Gazelle, die gute Schlange und den heiligenLotes; ein Strahl lebendigen Wassers entströmt seinem Haupte,er berauscht sich mit süßen Wohlgerüchen aus dem Berge Cailasa.Er ist aber auch Zerstörer. Als solcher schwelgt er, schwarz unddrohend, unter Gräbern, in Wunden, in Blut; er rächt, er straft,er speit Flammen aus seinem mit scharfen Hauern bewaffnetenMunde; menschliche Schädel bilden einen scheußlichen Schmuck seinerBrust, bekränzen seine flammenzüngelnden, mit Asche bedeckten Haare;mörderische Schlangen umwinden seine Arme und Hüften ; den Stierersetzt der Tiger, und, mit schrecklichen Waffen ausgestattet, bedrohtder Gott mit unzähligen Nebeln die Erde.

Auch er ging durch viele Verkörperungen. Zn der Markan-deya-isvara und in der C andopa-avatara erscheint der Gottdes Lingam als Jäger und als Büßer, die Mysterien seines Kultusvor dem göttlichen Emblem der Zeugung und allgemeinen Wieder-geburt versinnbildlichend.

Dieser Kultus ist mit einem Worte eine Verbildlichung derNaturkräfte, welche in einem beständigen Wechselkampfe sich gegen-seitig zerstören und wiederherstellen; vorherrschend ist jedoch dasphysische oder vielmehr organische und thierische Leben. In seinervon Rohheit nicht freien Einfachheit, in seinen von ihren Leiden-schaften gesklavten Göttern, in seiner Magie verräth sich der Kultuseines wenig gebildeten Volkes, welches wahrscheinlich Indien eroberteund die Religion Brahma's befleckte: diese, welche, wie wir nach-wiesen, im Anfange monotheistisch war, wandte sich dem Götzendienstzu, als sie es unternahm, die Wahrheiten durch personisizirte Sym-bole auszudrücken; sie gelangt auf diesem Irrwege bis zum Kult