Band 
Vierter Band.
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versammelt ist, plötzlich das Velarium wegnehmen, so daß die Mengedem Sonnenbrand ohne Schutz ausgesetzt ist; ein andersmal wirfter ihm Geld und Lebensmittel, aber mit ganz fein geschliffenen Klin-gen untermischt, zu; oder er läßt den Circus, nachdem er vollerMenschen ist, plötzlich und gewaltsam ausleeren, so daß Viele imGedränge umkommen. Da nun die unzufriedene Menge nicht mehrdie Schauspiele besuchen will, verschließt er die öffentlichen Getreide-kammern und das Volk hungert. Als eines Tages dasselbe im Theaternicht so lebhaft, wie er es gewünscht hätte, applaudirte, rief er aus:Wollten doch die Götter, das römische Volk hätte nur einen einzigenKopf, damit ich es mit einem einzigen Schlage todten könnte

Mitunter beschäftigt sich dieser Sinnlose auch mit großartigenPlänen. Er trägt sich mit dem Gedanken, den Sitz des Reiches nachAntium oder nach Alsrandria zu verlegen, nachdem die vornehmstenSenatoren und Ritter ermordet worden, deren Namen bereits aufzwei Listen gebracht sind, die er Schwert und Dolch nennt; erwill die Landenge von Korinth durchstechen, auf dem höchsten Gipfelder Alpen eine Stadt erbauen lassen. Ueberhaupt will und liebt erin Allem nur das Außerordentliche. Es war ihm verkündet worden,er werde König sein, sobald er durch den Meerbusen von Bafä werdemit seinem Pferde galoppiern können. Es beschließt dies möglichzu machen. Zwei Stunden weit durchs Meer werden Schiffe an-einander gereiht, diese fliegende Brücke wird mit Erde und Sandbedeckt; es werden darauf Bäume gepflanzt, Häuser gebaut, undsogar Bäche fehlen nicht. Auf diesem Wege sprengt nun in Beiseineiner ungeheuren Menschenmenge der Kaiser dahin, läßt des Nachtseine prachtvolle Beleuchtung veranstalten und rühmt sich, wahrhafterals Lerres über das Meer gegangen zu sein und die Nacht inTag verwandelt zu haben. Und damit endlich auch Hinrichtungendem Schauspiele nicht fehlen, läßt er aus der Menge einige Men-schen aufs Gerathewohl herausgreifen und ins Meer stürzen. Undinzwischen hungert Rom aus Mangel an Gebäuden zur Aufbewah-rung des Getraides.

Eine einzige Mahlzeit kostete diesen Kaiser fast eine MillionGulden; in einem Jahre verschwendete er von Tiberius angesam-melte 260 Millionen. Um seine Finanzen wieder herzustellen, belegteer alles mit Steuern und strafte Defraudationen mit sehr hohen Geld-bußen; um möglichst viele Uebertretungcn herbeizuführen, gab erseine Gesetze in sehr geheimnißvollcr Weise, und ließ sie in so klei-ner Schrift, daß sie kaum lesbar waren, anschlagen. Bei der Geburt