Band 
Vierter Band.
JPEG-Download
 

73

Germanien.

Getreu ihrer ränkevollen Politik hatten in Germanien die Römerfortwährend die Zwietracht zwischen benachbarten Völkern zu nährengesucht. Die einst mächtigen, aber zur Zeit des Arminius durchBruderzwiste geschwächten Cherusker waren so tief gesunken, daß sievorn Kaiser Claudius einen König verlangten (47); er gab ihnenals solchen zwar den Enkel des Arminius, aber dieser hatte inItalien eine römische Erziehung erhalten. Auch vermochte er sich nurdurch das alte Mittel der Erhaltung der inneren Zwistigkeiten mitHülfe der Römer zu behaupten. Einen Aufstand der Chauker unter-drückte Corbulo energisch; es ward ihm jedoch von Claudiusmitten in seiner Siegeslaufbahn Stillstand geboten, so daß er aus-rief: O glücklich die alten Feldherren Roms! (50) L. Pompvniusschlug einen Einfall der Katten zurück und überhaupt sahen die ver-schiedenen römischen Befehlshaber darauf, die Ruhe an den Gränzenzu erhalten und die militärischen Posten zu verstärken. PaulinusPompesus vollendete den, 63 Jahre vorher von Drusus begonne-nen Deich gegen die Nhein-Ueberschwemmungen. 2. Beter faßte denPlan einer Verbindung der Mosel mit der Saone, als des Mittel-meers mit dem Ocean, ließ ihn jedoch wieder fallen, um die Eifer-sucht Nero's nicht rege zu machen. Die Friesen jenseits des Rheins,die sich unter Tiberius wegen der Bedrückungen seiner Beamtenempört und die Römer geschlagen hatten (28), wagten sich demStrome zu nähern, wurden jedoch zurückgewiesen. (55—58). Ebensoerging es den Ansibarern, obgleich diese von den Brukterern, Tenk-terern und andern Völkern unterstützt wurden.

Gallien.

Um die Begebenheiten Galliens da aufzunehmen, wo wir ab-brachen, müssen wir bis zu August's Regierung zurückkehren. Erfand es in sein Schicksal ergeben, jedoch nicht beruhigt. Nachdem erden Geist der Empörung völlig gedämpft hatte, organisirte er dasLand nach römischer Weise, entwaffnete das Volk und führte denCensus ein *). Zu Augustodunum (Autun) ließ er Schulen eröff-nen, in welchen Sprache, Gesetze und Wissenschaften der Römer ge-

') Ein Glück war es für das ganze Land zwischen den Pyrenäen und demRhein, welches Cäsar eroberte, daß es erst unter August durchAgrippa römische Proviuzialverfaffnng bekam, denn da brauchte esnicht mehr zu fürchten, der Raubsucht von Statthaltern Preis gegeben